Kunst, Kultur und Design können gesellschaftliche Veränderungen nicht nur begleiten, sondern gestalten sie aktiv mit. Das Wuppertal Institut und die Fakultät für Design und Kunst der Bergischen Universität Wuppertal haben eine hybride Plattform für den transdisziplinären Austausch geschaffen — zwischen gestalterischen Disziplinen und Akteur*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kommunen.
Das Projekt verfolgt zwei eng miteinander verwobene Ziele: die transformativen Wirkungspotenziale von Kunst, Kultur und Design zu erforschen sowie das in diesen Bereichen verankerte Wissen und die dort entwickelten Praktiken auf der Plattform sichtbar und zugänglich zu machen, damit darauf aufbauend neue Kooperationen entstehen können.
Warum Kunst, Kultur und Design?
Nachhaltige Transformation ist keine rein technische oder ökonomische Frage, sondern vor allem eine kulturelle. Kunst, Kultur und Design machen komplexe Zusammenhänge sinnlich erlebbar und emotional anschlussfähig. Sie öffnen neue Handlungsräume, zeigen Alternativen und entwickeln Zukunftsbilder — durch visionäre Szenarien, Irritationen bestehender Routinen oder durch konkrete, alltagstaugliche Lösungen. Entscheidend für das Gelingen der Nachhaltigkeitstransformation ist das Zusammenspiel von künstlerisch-gestalterischer Praxis und wissenschaftlicher Analyse: Das Projekt untersucht, wie beide Zugänge sich gegenseitig beflügeln können, um Nachhaltigkeit nicht nur zu verstehen, sondern gemeinsam erlebbar und umsetzbar zu machen.
Kooperationspartner*innen
Partner*innen aus Kunst, Kultur, Design, Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen entwickeln gemeinsam Inhalte der Plattform, gestalten Formate und setzen Veranstaltungen um. Über die lebendige Plattform bündeln sie Kompetenzen, finden neue Kompliz*innen und ermöglichen neue Allianzen.
Diese disziplinübergreifende Zusammenarbeit bringt produktive Herausforderungen mit sich: Unterschiedliche Fachsprachen, Methoden und Perspektiven treffen aufeinander. Vielfalt wird als Lernraum für eine gemeinsame Sustainable Design Literacy verstanden — ein Kompetenzbündel, das alle an Konsum- und Gestaltungsprozessen beteiligten Akteur*innen befähigt, Zusammenhänge einzuordnen und darauf aufbauend handlungsorientierte Entscheidungen zu treffen.
Transfer und Verstetigung
Die Erkenntnisse aus der Kooperationsplattform sollen Grundlage für weiterführende Partnerschaften, Projekte und politische Weichenstellungen sein. Geplant ist eine Erweiterung weit über Nordrhein-Westfalen hinaus — durch weitere Pilotregionen, neue Stakeholder und Folgeprojekte im nationalen und internationalen Kontext.
Das Team
transform.NRW wird geleitet von Prof. Dr. Christa Liedtke und Dr. Carolin Baedeker (Wuppertal Institut) sowie Prof. Dr. Martina Fineder und Prof. Erica von Moeller (Fakultät für Design und Kunst, Bergische Universität Wuppertal) – und getragen von einem interdisziplinären Team, das Wissenschaft und Gestaltung zusammenbringt.
transform.NRW wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Kooperationsplattformen 2022 gefördert. Die Projektlaufzeit endet am 30. April 2027.
Unter der Leitung von
Prof. Dr. Christa Liedtke ist Leiterin der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut. Seit 2022 ist sie apl. Professorin für Nachhaltigkeit im Design in der Abteilung Industrial Design der Bergischen Universität Wuppertal. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Forschungsstrategien im Themenfeld Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren, Bewertung von Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit von und in Wertschöpfungsketten, Nutzer*innen integrierte Entwicklung von Produkt-Dienstleistungssystemen, nachhaltiges und zirkuläres Design.
Prof. Dr. Martina Fineder ist Design- und Kulturwissenschaftlerin mit Fokus auf sozial-ökologisch motivierte Design- und Konsum-Praxen und Transformationsforschung. Sie interessiert sich für Gemeinwohl-Logiken (Commons), zwischenmenschliches Design und kreiert gerne experimentelle Laborausstellungen für inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekte. Aktuell ist sie Teil des Leitungsteams von transform.NRW.
Dr. Carolin Baedeker studierte Geographie an der Universität zu Köln. Von 1998 bis 2000 war sie freie Mitarbeiterin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH und ist seit 2000 dort wissenschaftliche Mitarbeiterin. 2006 übernahm Dr. Baedeker die stellvertretende Leitung der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut. Seit 2019 ist sie Co-Leiterin des Forschungsbereichs Innovationslabore. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören: Reallaborforschung, nutzerintegrierte Nachhaltigkeitsinnovationen (Living Labs), sozial-ökologische Transformation, Produkt-Dienstleistungsentwicklung, Sharing Economy, Kooperationen und Netzwerke, Bildung für Nachhaltigkeit, transformatives Lernen, Klimawandel und Gesundheit sowie Kunst- und Kulturnachhaltigkeit.
Die Regisseurin, Autorin und Professorin Erica von Moeller studierte sowohl freie bildende Kunst als auch Film. Seit 2001 realisiert sie Filme in unterschiedlichen Genres wie den Spielfilm „Leben mit Hannah“ (2006), den Spielfilm „Fräulein Stinnes fährt um die Welt“ (2009), den historischen Fernsehfilm „Sternstunde ihres Lebens“ (2014) oder die transmediale Erzählung „2052 – Geschichten von Morgen“ (2020–25). Als Medienkünstlerin entwickelt sie Ausstellungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Bewegtbild, Raum und Klang. Seit Sommer 2011 lehrt sie an der Bergischen Universität Wuppertal als Professorin für audiovisuelle Medien.
Team WI
Eva Eiling ist Researcherin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren im Forschungsbereich Innovationslabore. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Schnittstelle Kunst, Kultur, Design und Nachhaltigkeit, die Reallaborforschung sowie das Transformationsdesign. Im Projekt transform.NRW ist sie bereichsübergreifend inhaltlich tätig.
Anica Luggen-Hölscher ist Researcherin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren im Forschungsbereich Innovationslabore. Ihr Fokus liegt auf den Themen sozial-ökologische Transformation, Gesundheit und Klimawandel sowie auf der Reallaborforschung. Im Projekt transform.NRW ist sie bereichsübergreifend inhaltlich tätig.
Severin Hackspiel
Kim Huber
Team BUW
Katja Kremser arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Designtheorie und Designforschung der Bergischen Universität Wuppertal. Im Projekt transform.NRW ist sie als Projektmanagerin bereichsübergreifend sowohl koordinierend als auch inhaltlich tätig und beschäftigt sich aus der Perspektive als strategische Designerin mit Fragen der Wirkung von Design im Kontext einer Nachhaltigkeitstransformation.
Felix Fastenrath studierte Design und Soziologie und promoviert am Lehrstuhl für Designtheorie und Designforschung der Bergischen Universität zu den Themen sozial-ökologisches Design, Just Transitions und nachhaltigen Alltags- und Konsumpraktiken. Im Projekt transform.NRW ist er bereichsübergreifend inhaltlich tätig.
Katharina Maderthaner lebt und arbeitet in Düsseldorf. Ihre Skulpturen, Installationen und Zeichnungen greifen Phänomene des Alltags auf – von Baumärkten über Kleingartensiedlungen bis hin zu sogenannter Hobbykunst – und übersetzen diese in verdichtete, eigenständige Arbeiten. Vertrautes erscheint dabei fremd oder verfremdet, das „Reale“ wird spielerisch und mit einem Augenzwinkern hinterfragt. Zugleich stehen ihre Werke ernsthaft und autonom da, mit einer irritierenden Selbstverständlichkeit.
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt.
Seit 2022 ist sie Professorin für Künstlerische Grundlagen an der Bergischen Universität Wuppertal.
Prof. Dr.-Ing. Fabian Hemmert vertritt die These, dass man Design, Kunst und Kultur wie das Gegenteil der Anästhesie verstehen kann: Während Anästhesie betäubt, öffnet Gestaltung die Sinne. Sie hilft uns, Dinge zu spüren, die wir vorher nicht spüren konnten – sei es die Dramatik von Klimaveränderungen, die Fragilität von Ökosystemen oder die Chancen solidarischen Handelns. Kunst kann irritieren, berühren und neue Perspektiven öffnen. Kultur schafft den Resonanzraum, in dem diese Erfahrungen geteilt und gedeutet werden.