Das transform.NRW-Symposium brachte am 13. und 14. November 2025 rund 400 Akteur*innen aus Kunst, Kultur, Design, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft in der Bundeskunsthalle in Bonn zusammen. Ziel war es, Perspektiven auf eine sozial-ökologische Transformation auszutauschen, neue Allianzen zu fördern und eine gemeinsame Sustainable Design Literacy zu stärken. In Panels, Salons, Labs, Führungen und Performances wurden verschiedene Ansätze und Aspekte nachhaltiger Gestaltung verhandelt.
Nach der Begrüßung durch Eva Kraus, Intendantin der Bundeskunsthalle, führten Carolin Baedeker und Martina Fineder stellvertretend für das Projektleitungsteam in die programmatische Ausrichtung ein, wie Kunst und Design gemeinsam mit den Nachhaltigkeitswissenschaften gesellschaftliche Transformationsprozesse sichtbar, erfahrbar und gestaltbar machen können.
Ein Schwerpunkt der Eröffnung war der Pre-Launch der transformativen Plattform, die ab Herbst 2026 als offene digitale Infrastruktur Good Practices, Methoden und Tools nachhaltiger Gestaltung öffentlich zugänglich machen wird.
Mit einem Vortrag zu Wohlstand in Übergangszeiten eröffnete Christa Liedtke die Agora des ersten Symposiumstages als gemeinsamen Resonanzraum: Eingeleitet durch thematisch fokussierte Impulsvorträge wurden in drei Salons gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Verhältnisse in den Blick genommen, um schließlich entlang der Leitfrage „Was müssen wir wagen?“ Zielbilder und Transformationsstrategien zu diskutieren. Die jeweiligen Ergebnisse wurden auf der Agora im Austausch aller Teilnehmenden unter der Moderation von Bernd Draser und Janine Steeger (ecosign) wieder zusammengeführt.
Der zweite Symposiumstag wurde von Manfred Fischedick mit einem Vortrag zu zentralen Herausforderungen globaler Nachhaltigkeitspolitk eröffnet, um in die folgenden Programmpunkte überzuleiten: Erica von Moeller präsentierte erste Einblicke in die audio-visuelle Erschließung der Good-Practice-Sammlung und diskutierte anschließend im Panel „Wie erzählen wir Wandel?“ narrative Formen gesellschaftlicher Transformation. Parallel fanden Workshops, Panels und Führungen statt, darunter How to transform … die Wirtschaft und Netzwerke, Kompliz*innen und andere Verbündete* sowie Panels zu Transformationslaboren und Transformationsorten.
Ergänzt wurde das diskursive Programm durch eine Lecture-Performance von Metahaven, Tanzperformances von Reckless Sleepers und Kenji Shinohe sowie ein Netzwerkevent mit musikalischer Begleitung von Gîn Bali (YAYA).
In Kooperation mit creative.nrw wurden an beiden Tagen insgesamt neun Projekte für eine sozial gerechtere und ökologisch verantwortliche Zukunft präsentiert, von denen zwei eine von der NRW.Bank finanzierte Auszeichnung gewinnen konnten. Das Publikum stimmte für dabei Colors of Love und Das Rezyklat.
Nachhaltige Transformation beginnt mit der Frage, wie wir künftig leben wollen. Nicht Technologie definiert gesellschaftliche Zukunft, sondern gesellschaftliche Vorstellungen davon, was ein gutes und gerechtes Leben ausmacht. Politische Entscheidungen, wirtschaftliche Prioritäten und technologische Entwicklungen folgen daraus – nicht umgekehrt.
Nachhaltige Zukünfte entstehen dort, wo unterschiedliche Wissensformen, Perspektiven und Erfahrungen aufeinandertreffen. Kunst, Kultur und Design schaffen dafür Szenarien, Bilder, Dinge und Räume in und mit denen gesellschaftliche Wirklichkeiten reflektiert, Gewissheiten irritiert und mögliche Zukünfte erfahrbar gemacht werden. Sie sind Teil jener gesellschaftlichen Prozesse, durch die Wandel überhaupt erst vorstellbar, verhandelbar und gestaltbar wird.
Das Symposium machte dabei deutlich, wie wichtig offene Räume demokratischer Aushandlung für gesellschaftliche Zukunftsprozesse sind. Unterschiedliche Perspektiven und Interessen wurden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern produktiv miteinander in Beziehung gesetzt. Gerade Differenzen erwiesen sich dabei als Voraussetzung für Veränderung: Vielfalt schafft Lernfähigkeit, Resonanz und Resilienz – Monokulturen des Denkens hingegen laufen Gefahr, an ihrer eigenen Geschlossenheit zu ersticken.
Vielleicht wurde in den zwei Tagen vor allem eines deutlich: Zukünfte entstehen dort, wo Menschen bereit sind, gemeinsam anders zu denken, zu erzählen und auch zu handeln. In der besonderen Atmosphäre der Bundeskunsthalle, konnte so zwischen Panels, Salons, Labs, Ausstellungen und Performances ein gemeinsamer Erfahrungsraum entstehen, in dem Wandel nicht nur diskutiert, sondern bereits praktiziert wurde.
Passend hierzu der Abschluss der Veranstaltung: die Solo-Performance Tree Tree von Kenji Shinohe erzählt im Kontext der Reaktorkatastrophe in Japan im Jahr 2011 von der Resilienz einer einzelnen Kiefer als poetischer Ausdruck zugleich von ökologischer Verletzlichkeit wie unbeugsamer Widerstandskraft.