In dem Interspezies-Kollektiv CMUK schaffen Papageien und Menschen über die Grenzen ihrer Spezies hinweg gemeinsam Kunst und prägen dabei die entstehenden Arbeiten wechselseitig mit. Im Zentrum steht die Frage, wie sich interspezifische Formen des Zusammenlebens gestalten lassen und welche Vorstellungen von Autor*innenschaft, Wahrnehmung und kulturellem Wert daraus hervorgehen. Tierische Ausdrucksformen werden dabei als aktiver Bestandteil des künstlerischen Prozesses sichtbar. Der Name des Kollektivs setzt sich aus den Initialen seiner Mitglieder*innen zusammen: Clara, Mathias, Ute und Karl.
Die Wirkungspotenziale vom Interspezies-Kollektiv CMUK wurden am 20. Juni 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Designer*innen, Künstler*innen und Ökonom*innen analysiert.
Die Diskussionsgruppe arbeitete heraus, dass sich Potenziale des Interspezies-Kollektiv CMUK für ein gutes Leben insbesondere durch die intensive Interaktion zwischen Menschen und Papageien entfalten könne. Die Teilnehmenden beschrieben die gemeinsame künstlerische Praxis als eine Form des Zusammenspiels, das über rein funktionale Tier-Mensch-Verhältnisse hinausgeht und auch affektive sowie teilweise als therapeutisch wahrgenommene Dimensionen eröffnen könne (SDG 3). Solche interspezifischen Settings wurden als Gegenentwurf zur „Krankheit der Moderne“ verstanden, die durch starke Rationalisierung und Trennung von Mensch und Natur geprägt sei.
Zugleich könne das Projekt für Bedürfnisse, Ausdrucksformen und Lebensweisen anderer Spezies sensibilisieren und ein Verständnis für das Zusammenleben fördern, das auf Ko-Präsenz und wechselseitiger Reaktion und nicht auf Kontrolle basiert. Dadurch könne ein erweitertes Verständnis von Wohlbefinden entstehen, das nicht ausschließlich den Menschen umfasst.
Im Kontext von SDG 10 und SDG 16 wurde insbesondere diskutiert, dass das Interspezies-Kollektiv CMUK bestehende Machtverhältnisse zwischen Menschen und Tieren sichtbar mache und anthropozentrische Vorstellungen von Raum, Nutzung und kultureller Produktion irritieren könne. Die Teilnehmenden betonten, dass gesellschaftliche Ordnungen und Hierarchien auch im Umgang mit nichtmenschlichen Lebewesen wirksam seien und entsprechend neu gedacht werden könnten. Dabei wurde angemerkt, dass die SDGs selbst primär auf menschliche Akteur*innen ausgerichtet seien – was als Ausdruck dieser Machtstrukturen gelesen werden könne.
Im Hinblick auf Versorgungssysteme wurde hervorgehoben, dass das Interspezies-Kollektiv CMUK unterschiedliche gesellschaftliche und disziplinäre Perspektiven miteinander verbindet. In der Diskussion wurden insbesondere Bezüge zwischen Kunst, Architektur, Nachhaltigkeitsfragen sowie dem gesellschaftlichen Zusammenleben von Menschen und anderen Spezies hergestellt. Das Projekt wurde dabei als Ausgangspunkt interdisziplinärer Austausch- und Reflexionsprozesse über gemeinsame Lebensräume und Formen der Raumnutzung beschrieben.
Darüber hinaus stelle das Projekt etablierte Vorstellungen darüber zur Diskussion, wer an gestalterischen Prozessen beteiligt sein kann. Indem Tiere nicht ausschließlich als Motiv oder Ressource erscheinen, sondern als Teil gemeinsamer künstlerischer Praktiken sichtbar werden, eröffne das Interspezies-Kollektiv CMUK neue Perspektiven auf Formen des Zusammenwirkens zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteur*innen. Als besondere Stärke des Projekts beschrieben die Teilnehmenden dabei weniger die Entwicklung konkreter Lösungen als vielmehr das Anstoßen von Diskussionen und Reflexionsprozessen über Zusammenleben, Gestaltung und gemeinsame Lebensräume. Dadurch könne das Interspezies-Kollektiv CMUK Impulse für neue Formen gemeinsamer Wissensproduktion und interdisziplinären Austauschs geben (SDG 17).
In der Diskussion wurde die besondere ästhetische Qualität der Arbeiten thematisiert, die aus der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Papageien hervorgehe. Die Teilnehmenden beschrieben die entstehenden Formen als überraschend und ästhetisch wirksam, gerade weil sie sich nicht vollständig menschlicher Kontrolle oder Intention zuordnen lassen. Assoziationen aus dem Alltag seien möglich, etwa von angeknabberten Möbeln oder Schularbeiten. Dadurch stelle sich auch die Frage, wie der künstlerische Wert solcher Objekte eingeordnet werde und inwiefern Vorstellungen von Autor*innenschaft, Intention und kulturellem Wert hier stabil bleiben. Diskutiert wurde dabei auch, ob und inwiefern kulturelle oder museale Wertzuschreibungen zwingend an menschliche Produktion gebunden sind.
Die im Interspezies-Kollektiv sichtbare Form der Interaktion basiere auf wechselseitiger Bezugnahme und lasse Tiere nicht als Beobachtungsobjekte oder Ressourcen, sondern als kreative Partner*innen erscheinen. Diese Wahrnehmung von Tieren als eigenständige Akteur*innen lasse sich auf andere Lebensbereiche übertragen, wodurch ein wertschätzender und respektvoller Umgang mit den Tieren sowie mehr Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse erreicht werden könnte. Der Schutz ihrer Lebensräume sei gleichzeitig der Schutz der menschlichen Lebensgrundlagen (SDG 15).
