Good Practice

Natura Morta

Natura Morta

Natura Morta ist eine Reihe fotografischer Stillleben von Ina Sistig, die in Kooperation mit der Verbraucherzentrale NRW entstanden ist. Die Stillleben orientieren sich sowohl formal als auch inhaltlich an den Gemälden barocker Meister und thematisieren Verfall und Vergänglichkeit durch dramatisch beleuchtetes Obst und Gemüse auf feinem Porzellan und mit Silberbesteck – und dazwischen in Plastikfolie eingeschweißte Fleischstücke und Wurstwaren.

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Projektbeteiligte
Ina Heuken
Erscheinungsjahr:
2016
Orte:
Bonn (letzte Ausstellung)

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Werkkategorie:
Fotografie
Tags:
Gefördert durch:
Die Arbeit wurde von der Verbraucherzentrale NRW mit dem 1. Preis bei dem Wettbewerb »Well Done – Fleisch und Nachhaltigkeit« ausgezeichnet.

Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good Practice?

Natura Morta wurde am 22. März 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Designer*innen, Kurator*innen sowie Personen aus dem öffentlichen Kulturbetrieb analysiert.

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Gutes Leben

Das Beispiel provozierte unter den Anwesenden vor allem Überlegungen zu unterschiedlichen Qualitäten in der Lebensmittelproduktion sowie damit einhergehende Fragen von Verteilungsgerechtigkeit und Gesundheit. Ausgelöst durch die Darstellung von in Plastik eingeschweißtem Fleisch inmitten des prunkvoll anmutenden Stilllebens wird ein Spannungsfeld zwischen Armut und Wohlstand eröffnet (SDG 1). In Plastik verpacktes Fleisch wird von den anwesenden Teilnehmer*innen als minderwertiges Produkt gelesen: Hier zeige sich ein Sozialgefälle, das auch gesundheitliche Folgen habe – der Zugang zu qualitativ besseren Lebensmitteln sei ungleich verteilt. Ausgehend von diesen und weiteren Überlegungen wurde dem Werk von der Gruppe das Potenzial zugesprochen, eine bewusste Auseinandersetzung mit Fleischkonsum und Fragen gesunder Ernährung anzustoßen (SDG 3).

Versorgungssysteme

Für den Bereich der Versorgungssysteme wird den Fotografien insbesondere ein Beitrag zu SDG 12 zugeschrieben, weil sie es vermöge, die Betrachtenden zur kritischen Reflexion von Produktionsweisen und Konsumverhalten anzuregen. Im Zuge der Wirkungsanalyse wurden verschiedene Modelle eingebracht, zum Beispiel wurde der Wert von lokalen Fleischereien in Form von Handwerksbetrieben als Gegenentwurf zu industriell produziertem Fleisch aus Massentierhaltungen verhandelt. Ein bewusster und reduzierter Fleischkonsum könnte den Kostendruck auf Handwerksbetriebe bei der Herstellung von Produkten in hoher Qualität verringern (SDG 8, 12) und langfristig die Erosion lokaler Versorgungsstrukturen minimieren (SDG 11).

Natürliche Ressourcen

Den Fotografien wurde das Potenzial zugeschrieben, einen bewussteren und reduzierten Fleischkonsum anzuregen, der mit einer Verringerung von Ressourcenverbrauch, Treibhausgasemissionen, Flächennutzung sowie dem Eintrag von Düngemitteln in Gewässer einhergehen könnte (SDG 13, 14, 15).