Das Projekt Erde, Arbeit, Leidenschaft von den Autorinnen Pia Münster und Kim Münster gibt einen Einblick in die Lebensrealitäten familiengeführter Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland. Im Kern ist es ein Buchprojekt, das ergänzend per QR-Codes kurze Filme zu den porträtierten Höfen digital zugänglich macht. Anhand persönlicher Geschichten von Landwirt*innen werden verschiedene Betriebsformen und die Vielfalt der Praxis thematisiert. Zentrale Herausforderungen der heutigen Landwirtschaft, darunter Klimawandel, Generationswechsel, nachhaltige Produktionsweisen und Digitalisierung im Spannungsverhältnis zu gesellschaftlichen Erwartungen, politischen Vorgaben und wirtschaftlichem Druck stehen im Fokus des Projekts. Zudem bringen Veranstaltungen wie Lesungen Akteur*innen aus Landwirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen, um gemeinsam über die Zukunft der Landwirtschaft ins Gespräch zu kommen.
Die Wirkungspotenziale von Erde, Arbeit, Leidenschaft wurden am 12. März 2026 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Künstler*innen, Agrarbiolog*innen, Designer*innen verschiedener Disziplinen (u.a. Strategisches Design und Digital Product Design) sowie Personen aus den Bereichen Film, nachhaltige Bildung und Handwerk analysiert. Die Autorinnen stellten das Buch vor und nahmen an der Diskussion teil.
Die Teilnehmenden der Wirkungspotenzialanalyse beschrieben das Buch und die begleitenden Formate als wichtigen Beitrag zur Vermittlung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Besonders hervorgehoben wurde das Potenzial, Verständnis für die Lebens- und Arbeitsrealitäten landwirtschaftlicher Betriebe zu schaffen und bestehende Wissenslücken zwischen Produzent*innen und Konsument*innen zu schließen. Die ergänzenden Filmclips machen über persönliche Einblicke in die Höfe landwirtschaftliche Arbeit greifbar und damit einhergehende Entscheidungsprozesse nachvollziehbar. Dies könne dazu beitragen, gesellschaftliche Distanz abzubauen und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen stärker in den Diskurs über Landwirtschaft einzubeziehen (SDG 10).
Darüber hinaus wurde dem Projekt ein starkes Bildungspotenzial zugeschrieben. Die Teilnehmenden betonten, dass insbesondere Menschen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund angesprochen würden und durch die Verbindung fachlicher Informationen mit persönlichen Geschichten ein niedrigschwelliger Wissenstransfer ermöglicht werde (SDG 4). Ziel sei es dabei nicht, bestimmte Positionen zu bewerten, sondern unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und eine Diskussionsgrundlage zu schaffen.
Als weiterer Wirkungsaspekt wurde die Sichtbarmachung von Frauen in der Landwirtschaft hervorgehoben. Die Teilnehmenden stimmten mit den Autor*innen darin überein, dass Landwirtinnen lange unsichtbar gewesen seien und das Projekt dazu beitrage, ihre zentrale Rolle innerhalb der Landwirtschaft hervorzuheben und darüber genderbezogene Ungleichheiten reduzieren könne (SDG 5).
Auf der Ebene der Versorgungssysteme beschrieben die Teilnehmenden das Projekt als Beitrag zur Diskussion über resiliente und nachhaltige Produktionssysteme. Besonders hervorgehoben wurde, dass strukturelle Unsicherheiten und der hohe Anpassungsdruck landwirtschaftlicher Betriebe sichtbar gemacht werden. Die Diskussionen um Zukunftsfähigkeit, Investitionssicherheit und Betriebsnachfolge wurden dabei als zentrale Voraussetzungen für langfristige Ernährungssicherung eingeordnet (SDG 2).
Darüber hinaus thematisierten die Teilnehmenden die wirtschaftlichen Spannungsfelder nachhaltiger Landwirtschaft. Durch die Darstellung konkreter Betriebe werde nachvollziehbar, dass nachhaltigere Produktionsweisen häufig mit höheren Kosten verbunden seien, während gleichzeitig die Zahlungsbereitschaft vieler Konsument*innen begrenzt bleibe. Leser*innen beziehungsweise Zuschauer*innen können durch das Projekt zur Reflexion ihrer eigenen Rolle in diesem System angeregt werden (SDG 8).
Im Zusammenhang mit Innovation und nachhaltiger Entwicklung wurde insbesondere die Vielfalt landwirtschaftlicher Ansätze hervorgehoben, die im Buch abgebildet werden. Den Teilnehmenden gefiehl, dass das Projekt keine Gegenüberstellung von „konventionell“ und „bio“ vornehme, sondern unterschiedliche Formen nachhaltiger Praxis sichtbar mache. Beispiele integrierter oder teilweise ökologischer Wirtschaftsweisen wurden als kreative und praxisnahe Lösungsansätze beschrieben, die zeigen, wie Betriebe schrittweise nachhaltiger gestaltet werden können (SDG 9).
Zugleich könne das Projekt Brücken zwischen städtischem Konsum und ländlicher Produktion bauen. Veranstaltungen förderten Austausch zwischen Landwirtschaft, Politik, Lebensmittelwirtschaft und Konsument*innen auf Augenhöhe und würden dadurch gemeinsame Verantwortlichkeiten für nachhaltigen Konsum und Produktion sichtbar machen (SDG 12).
Zudem wurde die Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Akteur*innen als ein zentraler Wirkmechanismus des Projekts hervorgehoben. Insbesondere die Verbindung von Kunst, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sowie die transdisziplinären Veranstaltungsformate wurden als förderlich für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft der Landwirtschaft wahrgenommen (SDG 17).


Auf der Ebene der natürlichen Ressourcen beschrieben die Teilnehmenden das Projekt als Beitrag zur gemeinsamen Gestaltung von Transformationsprozessen hin zu einer klima- und umweltverträglicheren Landwirtschaft. Es mache historische Entwicklungen und strukturelle Rahmenbedingungen landwirtschaftlicher Betriebe nachvollziehbar und rege Diskussionen über zukünftige Formen nachhaltiger Landwirtschaft an (SDG 13).
Zugleich würden ressourcenschonende Wirtschaftsweisen sichtbar gemacht. Die Darstellung unterschiedlicher Betriebsmodelle und einer reduzierten Pestizidnutzung veranschauliche konkrete Ansätze zum Schutz natürlicher Ressourcen sowie zur Förderung von Biodiversität und Bodenqualität. Dadurch könnten neue Perspektiven auf eine nachhaltige Landwirtschaft eröffnet und gegenseitiges Lernen angeregt werden (SDG 14, 15).
