Good Practice

Swift Messengers

Swift Messengers

Swift Messengers von Katja Davar ist ein zweiteiliges Kunst-am-Bau-Projekt für die neue U-Bahn-Station Pilgramgasse in Wien, die im Zuge des Wiener Klimafahrplans bis 2028 fertiggestellt wird. Der erste Teil, Elastic Navigation, übersetzt die neun wichtigsten globalen Vogelzugrouten in großformatige Pixelstrukturen aus emaillierten Wandpaneelen. Es verweist gleichzeitig auf die durch den Klimawandel veränderten Bewegungsmuster der Vögel und auf die Effizienz der Wiener U-Bahn-Linien, da sich die Flugrouten durch Energieeffizienz auszeichnen. Der zweite Teil, Picnic Songs, verbindest das Organisationsschema einer historischen New Yorker Eisenbahnlinie mit einer abstrahierten, pflanzenartigen Struktur. Farbige Punkte erinnern an Beeren, eine grundlegende Nahrungsquelle für Vögel, die wiederum als Samenverbreiter zum Erhalt der Biodiversität beitragen. So verknüpft das Werk Themen wie Mobilität, Natur und technische Infrastruktur und verweist auf die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Umwelt und urbanem Leben. Diese Hintergrundinformationen zu den Kunstwerken sollen auf Infotafeln an Passierende vermittelt werden.

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Projektbeteiligte
Katja Davar in Kollaboration mit KÖR Vienna
Erscheinungsjahr:
2029.2030
Orte:
Wien, Ausstellung in Wuppertal

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Kontakt:
studio@katjadavar.com
Werkkategorie:
Kunst am Bau
Tags:
Links:
Gefördert durch:
KÖR Wien https://www.koer.or.at/

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Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good Practice?

Die Wirkungspotenziale von Swift Messengers wurden am 12. März 2026 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe von Personen aus den Bereichen Film, Design, Kommunikation sowie nachhaltiges Bauen und Wohnen analysiert. Die Künstlerin Katja Davar stellte ihr Projekt persönlich vor und nahm an der Diskussion teil.

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Gutes Leben

Die Teilnehmenden der Diskussion beschrieben Swift Messengers als ein Kunstprojekt mit starkem Bildungs- und Vermittlungspotenzial. Hervorgehoben wurde die Verbindung von künstlerischer Darstellung, wissenschaftlichen Erkenntnissen und historischen Perspektiven. Durch die Visualisierung der Flugrouten von Zugvögeln sowie die Gegenüberstellung mit urbanen Mobilitätssystemen werden komplexe ökologische und soziale Dynamiken anschaulich und verständlich vermittelt. Es wurde betont, dass insbesondere die Darstellung von Dynamik – etwa in Bezug auf Migration, Umweltveränderungen und Klimaprozesse – ein neues Verständnis für ökologische Zusammenhänge schaffen könne. Gleichzeitig ermögliche das Kunstwerk durch seine Positionierung im öffentlichen Raum einen niederschwelligen Zugang zu Bildungsinhalten und naturwissenschaftlichen Themen (SDG 4).

Darüber hinaus beschrieben die Teilnehmenden emotionale und gesundheitsbezogene Wirkungen des Projekts. Die ästhetische Darstellung von Vogelmigration und natürlichen Bewegungen wurde mit Gefühlen von Entschleunigung, Bescheidenheit und Naturverbundenheit assoziiert. Das Kunstwerk könne dazu einladen, natürliche Prozesse bewusster wahrzunehmen und einen Gegenpol zur als hektisch empfundenen Alltagswelt schaffen. Gleichzeitig wurden Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Stress für Tierpopulationen und dem Auftreten von Zoonosen reflektiert, wodurch auch Bezüge zwischen Umweltveränderungen und menschlicher Gesundheit sichtbar werden (SDG 3).

Zudem wurde die Offenheit des Projekts im öffentlichen Raum als Beitrag zur Verringerung von Ungleichheiten interpretiert. Die Teilnehmenden betonten, dass Kunst im Stadtraum Menschen unabhängig von sozialen, kulturellen oder ökonomischen Voraussetzungen erreichen könne. Dadurch werde kulturelle Teilhabe auch außerhalb klassischer Institutionen ermöglicht und Interesse an Kunst sowie den vermittelten Themen gefördert (SDG 10).

Versorgungssysteme

Auf der Ebene der Versorgungssysteme wurde Swift Messengers insbesondere als Beitrag zu nachhaltigen und lebenswerten Städten beschrieben. Die Teilnehmenden hoben hervor, dass Kunst im öffentlichen Raum konsumfreie Orte der Begegnung und Auseinandersetzung schaffen könne. Das Kunstwerk fungiere dabei als „Resonanzraum“, in dem unterschiedliche Nutzer*innengruppen – von Passant*innen bis hin zu politischen Entscheidungsträger*innen – miteinander in Beziehung treten können.

Gleichzeitig mache das Projekt auf die Auswirkungen urbaner Lebensweisen auf Tiermigration aufmerksam, etwa auf den Verlust von Nist- und Rastplätzen sowie auf die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, menschlicher Infrastruktur und Tiergesundheit. Kunst werde dadurch als Teil öffentlicher Kommunikation und städtischer Infrastruktur wahrgenommen, die Reflexion und Austausch über Ökologie im Alltag ermögliche (SDG 11).

Natürliche Ressourcen

Auf der Ebene der natürlichen Ressourcen beschrieben die Teilnehmenden das Projekt als Beitrag zur Sensibilisierung für Biodiversität und ökologische Zusammenhänge. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle von Zugvögeln als „Sympathieträger“, über die komplexe Umweltfragen emotional zugänglich gemacht würden. Die Darstellung von Vogelmigration könne Naturverbundenheit bestärken und so fürsorgliches Verhalten hervorrufen. Gleichzeitig mache sie auf die ökologische Bedeutung von Vögeln für die Biodiversität und die Verbreitung von Pflanzen aufmerksam (SDG 15).Darüber hinaus wurde Swift Messengers als Beitrag zur Vermittlung von Klimawandelfolgen beschrieben. Durch die Visualisierung veränderter Migrationsbewegungen und den Bezug auf verschwindende Nist- und Rastplätze würden Auswirkungen des Klimawandels sichtbar und erfahrbar gemacht. Die Teilnehmenden beschrieben das Projekt dabei als Möglichkeit, den menschlichen Einfluss auf Umwelt und Klima stärker zu reflektieren und Bewusstsein für notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz zu schaffen (SDG 13).

Großformatige Wandinstallation in einer hellen U-Bahn-Station mit farbigen, pixelartigen Strukturen aus emaillierten Paneelen. Die abstrakten Formen erstrecken sich über mehrere Wandfelder neben Rolltreppen und verbinden Motive von Mobilität und Natur im Kunstprojekt Swift Messengers.
© Katja Davar