Sustainability by Design (SBYD) ist ein Forschungs- und Transferprojekt der Folkwang Universität der Künste, das klimaneutrale und ressourcenschonende Lebens- und Produktionsweisen erforscht und entsprechendes Wissen mittels Design in Alltag und Wirtschaft verankert. In Kooperation mit dem Wuppertal Institut und Fraunhofer UMSICHT werden Forschung, Gestaltung und Lehre miteinander verschränkt. Die Arbeit gliedert sich dabei in verschiedene Bereiche, etwa den Space for Repair, Space for Textile oder Space for Biomaterials. Transferformate wie Artist Residencies, Zines und Workshops unterstützen den Wissenstransfer. SBYD wird im Rahmen der Förderlinie Innovative Hochschule vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.
Die Wirkungspotenziale von SBYD wurden am 9. Dezember 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe bestehend aus Designer*innen und Designforscher*innen, Nachhaltigkeitsforscher*innen, Geograph*innen sowie Personen aus den Bereichen Film, Handwerk und Kulturmanagement analysiert. Zwei der Projektleiter*innen stellten das Projekt persönlich vor und nahmen an der Diskussion teil. Gegenstand der Analyse waren das Gesamtprojekt sowie beispielhafte Formate wie der Repair Kiosk und die Ausstellung Spaces for Tomorrow bei der Dutch Design Week.
Bezüglich der Ebene des guten Lebens wurde SBYD als Beitrag zu Bildungs- und Beteiligungsprozessen diskutiert (SDG 4). SBYD spreche unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen über verschiedene Zugänge an und binde sie in zirkuläre Praktiken ein. Insbesondere Workshops, die mit mobilem Equipment wie dem Repair Kiosk an verschiedenen Orten stattfinden können, können dazu beitragen, Wissen und praktische Fähigkeiten niederschwellig zu vermitteln. Dabei wurde die Rolle von Multiplikator*innen (etwa Schulen und Lehrer*innen) mitbedacht, durch die entsprechende Ansätze über kurzfristige Projektkontexte hinaus langfristig wirksam werden könnten. Offene Werkstattformate, beispielsweise bei Stadtfesten, können dazu beitragen, Hemmschwellen gegenüber technischen oder handwerklichen Tätigkeiten abbauen und so auch Menschen erreichen, die bislang wenig Berührung mit dem Thema Reparatur hatten. Die Teilnehmenden sahen darin das Potenzial, unterschiedliche Lebenswelten einzubeziehen und nachhaltige Handlungsmöglichkeiten breiter zugänglich zu machen (SDG 10).
Die Diskussionsgruppe nahm besonders wahr, dass SBYD bewusst mit unterschiedlichen Formen der Repräsentation und verschiedenen Bildsprachen arbeite, die nicht auf typische Weise in ein binäres Geschlechtersystem passen. Beispielsweise trugen bei einem Fotoshoot mit reparierter Kleidung auch männliche Models typischerweise weiblich gelesene Kleidungsstücke. So könne ein Beitrag zu Geschlechtergerechtigkeit und Diversität geleistet werden (SDG 5). Die Teilnehmenden merkten an, dass bestimmte Bereiche – etwa textile Reparaturpraktiken auf der einen, elektronisch-technische auf der anderen Seite – außerhalb von SBYD weiterhin stark geschlechtlich geprägt seien und eine Wirkung des Projekts in die Gesellschaft hinein wünschenswert wäre.

Als zentralen Beitrag im Hinblick auf Versorgungssysteme nannte die Gruppe, dass das Projekt Menschen dazu motiviere, sich mit ihren Reparatur-, Produktions- und Konsumpraktiken auseinanderzusetzen. Dabei mache es ressourcensparende und kreislauffähige Alternativen zu üblichen Praktiken in verschiedenen Lebensbereichen leicht zugänglich und erfahrbar (SDG 12).
Ein weiteres Potenzial von SBYD sei es, durch die Einbindung des Projekts in lokale Netzwerke diese als wichtige Infrastruktur für die Umsetzung nachhaltiger Projekte zu stärken. In der Diskussion wurde auf die Möglichkeit verwiesen, an kommunale Strukturen anzuknüpfen oder Kooperationen mit unterschiedlichen Akteur*innen von Zivilgesellschaft bis hin zur Wirtschaft einzugehen, die eine breitere gesellschaftliche Verankerung ermöglichen könnten (SDG 9, 11, 17).
Auch Fragen menschenwürdiger Arbeit wurden angesprochen: Reparatur- und Handwerkspraktiken erschienen in der Diskussion nicht als rein technische Tätigkeiten, sondern auch als soziale Prozesse, die Austausch, gemeinsames Lernen und neue Formen der Kooperation ermöglichen könnten (SDG 8).
Im Bereich der natürlichen Ressourcen hob die Diskussionsgruppe vor allem den ressourcenschonenden Charakter der reparatur- und kreislauforientierten Ansätze von SBYD hervor. Indem Gegenstände repariert oder aufgewertet werden – etwa über das Patching von Textilien – werde der Verbrauch von Rohstoffen reduziert und der Lebenszyklus bestehender Produkte verlängert. Die bereitgestellten Informationsmaterialien und Anleitungen sensibilisieren zugleich dafür, welche kritischen Ressourcen in alltäglichen Wegwerfprodukten stecken und warum deren kurze Nutzungsdauer aus ökologischer Sicht problematisch ist. So verbindet das Projekt praktisches Handwerk mit einer Reflexion über Ressourcenverbrauch (SDG 14, 15).


