Good Practice

Queering the City

Queering the City

Queering the City von Anna Nill und Kira Sandrock hinterfragt, wie Heteronormativität und Patriarchat das Stadtbild und urbane Infrastrukturen in Wuppertal prägen. Ausgangspunkt des Projekts war eine Stadtkarte, die über 60 queerfeministische Orte sichtbar macht, Orientierung bietet und Akteur*innen vernetzt. Daraus entstanden Stadtrundgänge im Stadtteil Elberfeld, die geschlechtergerechte Stadtplanung und Ungleichheiten im öffentlichen Raum thematisieren. Begleitet von einer partizipativen Ausstellungen in der Innenstadt und interaktiven Formaten lädt das Projekt Bürger*innen ein, persönliche Geschichten und strukturelle Hintergründe kennenzulernen und Ideen für eine inklusive Stadt zu entwickeln.

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Projektbeteiligte
Kira Sandrock, Anna Nill
Erscheinungsjahr:
2024
Orte:
Wuppertal

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Kontakt:
empowerment.wuppertal@gmail.com
Werkkategorie:
Stadtkarte, Stadtspaziergang
Tags:
Links:
Gefördert durch:
gemeinwohl-projekte vereinfachen

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Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good Practice?

Die Wirkungspotenziale von Queering the City wurden am 9. Juli 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Kulturwissenschaftler*innen, Designer*innen, Künstler*innen sowie Personen aus den Bereichen Baukultur, Gleichstellung und Antidiskriminierung, analysiert. Die beiden Initiatorinnen waren anwesend, um das Projekt zu präsentieren und mitzudiskutieren. Einige Gesprächsteilnehmer*innen kannten das Projekt bereits, haben etwa an einem der Stadtrundgänge teilgenommen, kennen die Stadtkarte oder haben das Projekt im universitären Kontext betreut.

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Gutes Leben

Zentral hervorgehoben wurde die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung durch das Projekt. Es gelinge, gesellschaftliche Vielfalt sichtbar zu machen und „Ungerechtigkeit in der Stadtraumgestaltung“ auf eine zugängliche und respektvolle Weise zu thematisieren. Die Beteiligten lobten die sanfte, erkenntnisorientierte Herangehensweise der Initiatorinnen. Es ginge ausschließlich darum, Wissen zu vermitteln und neue Perspektiven zu eröffnen, ohne die eigene Überzeugung auch anderen aufzuzwingen. 

Durch die interaktive Nutzbarkeit der gedruckten wie digital verfügbaren Karte werde Vielfalt als selbstverständlicher Teil des urbanen Alltags erfahrbar. Dies trage zur Reduktion von Ungleichheiten bei und fördere ein inklusives Verständnis von Stadt (SDG 10). Gleichzeitig stärke das Projekt das Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit, da es „alle Geschlechteridentitäten sichtbar macht“ und einen Diskurs über Gleichheit „auf eine sehr positive und offene Art“ anstoße (SDG 5).Als Lern- und Erfahrungsraum biete Queering the City zudem einen Beitrag zu hochwertiger Bildung (SDG 4): Es ermögliche ein informelles Lernen, fördere „kognitive Flexibilität“ und rege Menschen an, eigene Perspektiven zu hinterfragen. Durch Begegnung, Gespräch und gemeinsame Stadterfahrung wird Bildung hier als sozialer Prozess verstanden, der Empathie und Offenheit stärkt.

Versorgungssysteme

Das Projekt Queering the City wurde von den Teilnehmenden als wirkungsvolle Plattform zur Vernetzung und Kooperation wahrgenommen. Als besonders überzeugend wurde herausgearbeitet, dass durch die gemeinsame Arbeit mit queeren Orten und ihre Sichtbarmachung speziell Menschen zusammengebracht werden, die in diesem Bereich aktiv sind. Oft seien diese untereinander nicht ausreichend vernetzt, so die Projektinitiatorinnen. Durch das Projekt seien neue Partnerschaften und Strukturen für Austausch entstanden, die über das Projekt hinaus Bestand haben könnten (SDG 17).

Diese offene und niedrigschwellige Form der Zusammenarbeit ermögliche es, dass nicht nur Personen zu Wort kommen, die bereits in Vereinen aktiv sind oder in Gremien sitzen, sondern auch neue Zielgruppen erreicht und in Interaktion gebracht werden. Durch Formate wie partizipative Ausstellungen, Stadtrundgänge und die Kommunikation des Projekts über die sozialen Medien könne eine breitere Bürger*innenbeteiligung entstehen. Gleichzeitig werde eine andere Narration etabliert, die das Thema der gerechten Stadtgestaltung stärker in den Fokus rückt. So könnte es in lokalpolitische und städtische Verwaltungsstrukturen Eingang finden und dort seine Wirkung entfalten (SDG 11).

Versorgungssysteme

Im Rahmen der Diskussion wurde kein direkter Bezug zur Ebene der natürlichen Ressourcen hergestellt. Dennoch lassen sich ausgehend von den Aktivitäten des Projektes entsprechende Wirkungspotenziale vermuten, etwa indem eine Stadtgestaltung ohne Angsträume es mehr Menschen ermöglicht, auf den Zusatznutzen des Autos als geschützten Raum zu verzichten und Strecken zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen (SDG 13).