Unfreeze Your Brain ist ein interdisziplinäres Festival der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn. Vom Fachbereich Wirtschaft organisiert, brachte es gezielt ökonomische und künstlerische Perspektiven zusammen, um zukunftsfähige Impulse für Wirtschafts-, Konsum- und Produktionssysteme zu setzen. Konkret adressiert wurden das Spannungsfeld zwischen Stadt und Land sowie damit verbundene Fragen von Dekolonialismus, Fair Trade oder Corporate Political Responsibility. Zur Auseinandersetzung mit diesen Themen eröffnet das Festival durch Performances, Workshops und Dialogformate Räume für kollektives Lernen und kreatives Denken.

Die Wirkungspotenziale von Unfreeze Your Brain wurden am 22. April 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe bestehend aus Künstler*innen, Geograph*innen, Kurator*innen, Designer*innen, Philosoph*innen, Nachhaltigkeits-, Kultur- und Wirtschaftswissenschaftler*innen sowie Personen aus den Bereichen Film, Handwerk und Kulturmanagement analysiert. Zwei Protagonist*innen des Festivals stellten das Projekt persönlich vor und nahmen an der Diskussion teil.
Die Diskussionsrunde sah im Festiva einen offenen Erfahrungsraum, der durch künstlerische Performances, co-kreative und interaktive Formate wie Workshops und Gesprächsrunden eröffnet werde. In ihm werden bestehende Machtverhältnisse und Wissenshierarchien – vor allem im Spannungsfeld zwischen urbanem und ländlichem Raum, hinterfragt sodass ländlich geprägtes Erfahrungswissen einen neuen Stellenwert in Nachhaltigkeitsdiskursen erfahren könne. Die damit verbundene Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen – insbesondere im Bereich der Care-Arbeit – könnte dazu beitragen, das darin enthaltene Wissen stärker anzuerkennen und neue Impulse für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu setzen (SDG 5).
Zugleich wurde betont, dass ein intersektionaler Blick auf das Verhältnis von Stadt und Land – also ein Blick, der gleichzeitig weitere Ungleichheitsdimensionen berücksichtigt – dazu beitrage, dominante Narrative zu hinterfragen, etwa, dass Kultur nur in Städten stattfinde und der Blick auf eine integrative und kooperative räumliche Entwicklung gewendet. Eine solche „emanzipatorische Ländlichkeit“ könne das Selbstbewusstsein lokaler Akteur*innen fördern (SDG 10).
Durch den transdisziplinären Zugang von Unfreeze Your Brain könnte Bildung als ganzheitlicher – auch ästhetischer – Prozess umgesetzt werden, durch den es ermöglicht werde, die komplexen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Zusammenhänge zwischen Stadt und Land zu begreifen (SDG 4), was ebenfalls zur oben genannten „emanzipatorischen Ländlichkeit“ beitragen könnte. Gemeinsam mit anderen Themen des Festivals – etwa Commons, Governance und Dekolonialismus – könnten neue Denkansätze für gerechtere Beteiligung eröffnet, der Austausch zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen gestärkt und eine lebendige demokratische Kultur gefördert werden (SDG 16).
Die Teilnehmenden fanden im Festivalprogramm wiederholt Impulse zur kritischen Auseinandersetzung mit bestehenden Konsum- und Produktionslogiken (SDG 12) und sahen darin Potenziale für die Entwicklung nachhaltigerer Modelle. So könne das Wissen um die ökologischen Auswirkungen industrieller Landwirtschaft, beispielsweise die Belastung des Grundwassers, das Bewusstsein für den Konsum schonender produzierter Lebensmittel stärken (SDG 6, 12). In Workshops zu fairer Produktion, gemeinschaftlichem Wirtschaften oder solidarischer Versorgung würden rurale und urbane Wissensbestände miteinander verschränkt. Dadurch könnten Perspektiven jenseits rein neoliberaler Markt- und Arbeitslogiken (SDG 8) oder für regionale Infrastruktur und nachhaltige Wertschöpfung aufgezeigt werden (SDG 9).
Die künstlerisch-gesellschaftliche Reflexion ländlicher Traditionen hinsichtlich eines möglichen schonenden Umgangs mit der Natur zeige die enge Verwobenheit kultureller Praktiken und ökologischer Prozesse auf. Sie könne für den hohen Wert von Praktiken nachhaltiger Landschaftspflege und Landnutzung sowie für deren Wirkung auf Biodiversität sensibilisieren (SDG 15). Das Aufzeigen alternativer Handlungsoptionen im Alltag – etwa in Bezug auf Ernährung – könnte Motivation für individuellen und kollektiven Klimaschutz bieten (SDG 13). Aus Sicht der Teilnehmenden könne das Festival so zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen beitragen.


