Good Practice

Weben für Morgen

Weben für Morgen

Weben für Morgen ist ein Veranstaltungsformat in Wuppertal, das Kulturorte als Aushandlungsräume für gesellschaftliche Transformation begreift. Im Zentrum steht ein Aktionstag, an dem sich Akteur*innen aus Kultur, Bildung, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft miteinander vernetzen. Das Format verbindet praktisches Tun – wie das Entsiegeln von Flächen, gemeinschaftliches Gärtnern, oder das Umgestalten öffentlicher Räume – mit künstlerischen und diskursiven Formaten. Grundlage ist das ManifÖST, ein Manifest für eine ökologisch-soziale Transformation des Netzwerkes Performing for Future, das kontinuierlich weiterentwickelt wird und als lebendiges Dokument kollektiver Zielsetzungen fungiert. Das Projekt versteht sich ausdrücklich nicht als abgeschlossene Veranstaltungsreihe, sondern als Beitrag zur Verstetigung solidarischer Netzwerke und zur Entwicklung grüner Kulturorte in Wuppertal.

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Projektbeteiligte
Dr. Uta Atzpodien, Michael Felstau, Franziska Hartmann, in Trägerschaft von und.Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit und dem Kulturort INSEL e.V. in Wuppertal
Erscheinungsjahr:
2024
Orte:
Wuppertal

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Kontakt:
webenfuermorgen@posteo.de
Werkkategorie:
Performative Aktionstage
Tags:
Links:
Gefördert durch:
Stiftung Umwelt und Entwicklung, Kulturbüro Wuppertal, Knipex, Renaissance Immonilien, Barmenia, Kalkwerke Oetelshofen, WSW
© Ralf Siberkuhl

Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good Practice?

Die Wirkungspotenziale von Weben für Morgen wurden am 6. November 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Designer*innen und Kurator*innen sowie Personen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Transformationsmanagement und Anwendungsentwicklung analysiert.

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Gutes Leben

Die Mitwirkenden der Wirkungspotenzialanalyse beschrieben, dass das Projekt einen Rahmen schaffe, in dem Menschen jenseits kommerzieller Logiken zusammenkommen und gemeinsam gestalten. Dadurch entstehe ein soziales Miteinander, das Solidarität als grundlegende Voraussetzung gesellschaftlichen Zusammenlebens erfahrbar mache (SDG 16). Durch die Möglichkeit der Mitgestaltung erlangen die Beteiligten neue Kompetenzen, was zu einem Empowerment führe: Im Vordergrund stehe dabei keine Wissensvermittlung „von oben“, sondern ein Format, das selbständiges Erschließen von Themen und somit Selbstwirksamkeitserfahrungen ermögliche (SDG 4). So entstehe laut der Teilnehmenden über die Formate hinweg ein Netzwerk, das „Zuversicht, Utopien und Visionen“ trägt und ein Verständnis dafür schärfe, dass das eigene menschliche Wohlergehen eng mit ökologischen Zusammenhängen verbunden sei. Gesundheit wurde dabei nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren ökologischen Systems verstanden, dessen Bestandteil der Mensch selbst ist (SDG 3). 

Versorgungssysteme

Als übergeordnete Wirkung des Projekts identifizierten die Teilnehmenden die Entstehung von Partnerschaften (SDG 17), die in unterschiedlichen SDGs ihre Einzelwirkungen entfalten. Das Projekt wurde dabei als kontinuierlicher Prozess beschrieben, der auf Verstetigung von Netzwerken ziele. Begegnungen würden ermöglicht und in anderen Kontexten weitergeführt, etwa beim Dinner for Future, im Rahmen eines Tanz-Festivals oder in gemeinsamen Gartenprojekten.

Darüber hinaus hoben die Teilnehmenden das Anwenden von Praktiken der Kreislaufwirtschaft hervor, die sich im Projekt beispielsweise in der Wiederverwendung von Bauelementen aus benachbarten und befreundeten Initiativen und Institutionen zeigen. (SDG 12). Durch die Umnutzung und Weiterverwendung von Materialien bei der Schaffung neuer Orte wie der Bibliothek der Dinge entstehe ein Verständnis von Stadt als nachhaltigem Transformationsraum, in dem unterschiedliche Akteur*innen gemeinsam eine „gelebte Utopie“ bauen können (SDG 11).

Als weiterer Aspekt wurde die Bedeutung von fairen Wirtschaftsbeziehungen herausgearbeitet (SDG 8). Weben für Morgen stehe für einen Gegenentwurf zu einer zunehmenden Kommerzialisierung und Atomisierung der Gesellschaft. Honoraruntergrenzen, solidarische Fördermittelvergabe und alternative Wirtschaftsmodelle seien dabei nicht lediglich organisatorischer Hintergrund, sondern inhaltliche Kernanliegen des Projekts.

Natürliche Ressourcen

Als direkte ökologische Wirkungen des Projekts beschrieben die Teilnehmenden Veränderungen im städtischen Raum, etwa durch Entsiegelung, Begrünung und Bepflanzung von Flächen und Containern (SDG 15). In der Diskussion wurde herausgearbeitet, dass Kulturorte durch Begrünung und gemeinschaftliche Gestaltung einen Beitrag zur Klimafolgenanpassung leisten und dabei auch ökologische Entwicklungen in den Blick nehmen können (SDG 13), worauf auch der Untertitel des Projekts Gestrandet im Klimakollaps verweise.