Wir können auch anders ist eine Dokumentarfilm-Miniserie, in der bekannte Persönlichkeiten wie Anke Engelke und Bjarne Mädel alltagsnah nach Lösungen für Nachhaltigkeitsherausforderungen in den Bereichen Energie, Wohnen, Mobilität und Ernährung suchen. Die Serie zeigt Menschen, die bereits nachhaltig anpacken, und hinterfragt, warum der Wandel oft schwerfällt. Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit den Produktionsfirmen 2Pilots und Florida Film im Auftrag des SWR. Geleitet wurde das Projekt von den Regisseur*innen Lars Jessen und Laura Lo Zito.
Die Wirkungspotenziale von Wir können auch anders wurden am 28. Mai 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Regisseur*innen, Designer*innen, Designforscher*innen sowie Personen aus dem Bereich Kulturvermittlung analysiert.
Die Teilnehmenden der Wirkungspotenzialanalyse beschrieben die Serie als ein Format, das insbesondere durch seine alltagsnahe Vermittlung nachhaltigkeitsbezogener Themen wirke. Hervorgehoben wurde, dass die Serie konkrete, regionale Beispiele sichtbar macht und sowohl funktionierende Ansätze als auch bestehende Herausforderungen („wo es hakt“) aufzeigt – und dabei dennoch stets lösungsorientiert bleibt. Die Serie vermittle somit Wissen über alternative Handlungsweisen und konkrete Lösungsstrategien (SDG 4).
Zugleich betonten die Teilnehmenden die besondere Zugänglichkeit des Formats. Die Serie arbeitet mit einer unkomplizierten, teilweise auch unterhaltsamen Ästhetik, die als bewusst niedrigschwellig („hands-on“) wahrgenommen wurde und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anspreche. Komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen wie der Ressourcenverbrauch bestimmter Konsumweisen würden in einer Weise vermittelt, die nicht belehrend wirke, sondern zur Auseinandersetzung einlade. Dadurch werde eine breitere Teilhabe an Nachhaltigkeitsdiskursen ermöglicht, da Hemmschwellen gegenüber schwierigen oder abstrakten Themen reduziert würden. Außerdem könne sich eine breitere Masse an Zuschauer*innen in den sehr unterschiedlichen, bekannten Persönlichkeiten wiederfinden, wodurch Nachhaltigkeitsthemen „breitentauglicher“ würden. In der Diskussion wurde dies als wichtiger Beitrag zur Verringerung von Ungleichheiten in der Wissensaneignung und im Zugang zu gesellschaftlich relevanten Debatten eingeordnet (SDG 10).

Auf der Ebene der Versorgungssysteme wurde der Serie das Potenzial zugeschrieben, unterschiedliche räumliche und infrastrukturelle Realitäten sichtbar zu machen. Insbesondere der Perspektivwechsel zwischen urbanen und ländlichen Kontexten wurde als wirkungsvoll beschrieben: Stadtbewohner*innen könnten durch die dargestellten Beispiele ein besseres Verständnis für Herausforderungen und Lösungsansätze im ländlichen Raum entwickeln. Gleichzeitig erhielten lokale Initiativen und alternative Versorgungsmodelle durch die mediale Darstellung Sichtbarkeit, was als wichtiger Impuls für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung wahrgenommen wurde (SDG 11).
Im Hinblick auf nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster wurde insbesondere die Produktionsweise der Serie selbst reflektiert. Es wurde hervorgehoben, dass Ansätze des sogenannten Green Shooting angewendet und zugleich transparent gemacht werden. Dadurch werde nicht nur die Notwendigkeit nachhaltiger Produktionsbedingungen sichtbar, sondern auch deren praktische Umsetzbarkeit. Beispiele wie die bewusste Entscheidung einzelner Beteiligter für klimafreundliche Anreiseformen zu Drehorten wurden als symbolisch wirksam beschrieben (SDG 12). Gleichzeitig wurde auf ein „Mismatch” zwischen den Anforderungen des Green Shootings und ökonomischen Rahmenbedingungen hingewiesen, da es hier häufig an der Finanzierung der höheren Produktionskosten fehle.
Die Teilnehmenden beschrieben die Serie Wir können auch anders als besonders wirksam in der Übersetzung abstrakter Klimaschutzthemen in konkrete, verständliche Zusammenhänge. Durch anschauliche Vergleiche und visuelle Aufbereitungen würden komplexe Größen wie Ressourcenverbrauch oder Emissionen greifbar gemacht. Wiederkehrende Beispiele – etwa die Darstellung von Benzinverbrauch in Form von Schwimmbädern – sowie Animationen erzeugten dabei Aha-Effekte, die ein besseres Verständnis für Dimensionen des Ressourcenverbrauchs ermöglichen.
Als zentral wurde zudem die ästhetische und narrative Gestaltung hervorgehoben: Eine Mischung aus alltagsnah inszenierten Szenen, erklärenden Animationen und humorvoller Gestaltung trage dazu bei, auch komplexe Inhalte niedrigschwellig zu vermitteln und Aufmerksamkeit zu halten. Besonders wirkungsrelevant sei das lösungsorientierte Narrativ: Klimaschutz nicht als Verzicht, sondern als machbarer Prozess („Wandel ist einfach“). Abstrakte Problemlagen würden in konkrete Handlungsoptionen übersetzt, wodurch nachhaltiges Verhalten als umsetzbar und erreichbar erscheine und Engagement für Klimaschutz gefördert werden könne (SDG 13).

