Modular Stage Zero ist ein Projekt der Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester, das in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut durchgeführt wurde. Kern des Projekts ist ein modulares System für die Gestaltung von Bühnenbildern, das es ermöglicht, große Teile der Aufbauten wiederzuverwenden und somit Material und Ressourcen zu sparen. Modular Stage Zero ist ein Baustein einer nachhaltigen Bühnenpraxis bei den Wuppertaler Bühnen.
Die Wirkungspotenziale von Modular Stage Zero wurden am 15. April 2026 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Geograph*innen, Designer*innen, Soziolog*innen, Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaftler*innen sowie Personen aus Handel und Industrie analysiert. Lukas Vaupel, der das Projekt vonseiten der Wuppertaler Bühnen betreut, präsentierte das Projekt Modular Stage Zero und nahm an der Diskussion teil.
Das System, auf dem Modular Stage Zero basiert, ist nicht grundsätzlich neu. Vielmehr geht es darum, bestehende Ansätze weiterzuentwickeln – durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Prozessen modularer Systeme und den verwendeten Materialien. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen sollen systematisch geteilt werden. Vor diesem Hintergrund verortete die Diskussionsgruppe den zentralen Beitrag des Projekts vor allem im Bereich Wissen und Bildung (SDG 4). Entscheidend sind dabei funktionierende Netzwerke für den Wissenstransfer – innerhalb des Hauses, zwischen Institutionen und auch international. Diese gilt es gezielter zu nutzen, auszubauen oder neu zu etablieren.
Im weiteren Sinne könnte das modulare Bauen von Bühnenbildern auch die Sehgewohnheiten und Erwartungen des Publikums verändern. In der Interaktion mit den Bühnenbildner*innen lernen Zuschauer*innen nicht nur die handwerkliche Qualität zu schätzen, sondern nehmen auch die nachhaltigen Aspekte modularer Konstruktionen bewusster wahr. Daraus kann eine Form informeller Bildung entstehen – als lebendiger Austausch zwischen Handwerk und Publikum. Gleichzeitig setzen die begrenzten Möglichkeiten modularer Systeme eine natürliche Grenze für das „Höher, Schneller, Weiter“ sowie für immer größere und opulentere Bühnenbilder, wie sie sich besonders in der Oper in den letzten Jahrzehnten etabliert haben. Aus dieser Beschränkung heraus könnte sich ein Wiedererkennungswert entwickeln: Bühnenbilder, die auf demselben System basieren, teilen bestimmte gestalterische Merkmale. Langfristig könnte daraus sogar eine eigenständige „Wuppertaler Ästhetik“ entstehen.
In der Diskussion wurde Modular Stage Zero als Exnovation bezeichnet, da es auf einem System basiere, das “in Deutschland eigentlich seit 40 Jahren Standard” sei (SDG 9). Statt bei jeder Produktion neue Teile zu entwickeln, liege der Fokus darauf, “Standardteile wieder zur Basis zu machen” und deren praktische Anwendung kontinuierlich zu verbessern.
Dies erfordert eine genaue Auseinandersetzung mit den eigenen Produktionsweisen und -prozessen – von der Konzeption einer Oper oder eines Theaterstücks bis zur Premiere – einschließlich einer engen Zusammenarbeit mit den Bühnenbildner*innen. Daraus entstehen längerfristig angelegte Produktionsweisen, die an die spezifischen Rahmenbedingungen und Infrastrukturen der Wuppertaler Bühnen als lokale „Nische“ angepasst seien.. Ein solcher Ansatz, der lokale Produktions- und Konsumsysteme konsequent an vorhandene Gegebenheiten anpasst, kann auch auf andere Bereiche übertragen werden (SDG 12). Voraussetzung dafür ist eine verstärkte Vernetzung auf unterschiedlichen Ebenen – insbesondere durch den bereits hervorgehobenen Wissenstransfer (SDG 17).
Es wurde dabei auch diskutiert, inwiefern eine weniger opulente Ästhetik der Bühnenbilder aus der Hochkultur heraus auch in die Konsumkultur wirken und zu genügsameren Praktiken bei den Zuschauer*innen führen könnte (SDG 12).
Die Wiederverwendung von Standardelementen reduziert sowohl den Material- als auch den Transportaufwand und führt damit zu Einsparungen von Ressourcen und Emissionen (SDG 13, 15). Materialität und der Umgang mit ihr sind dabei ein relevanter und unmittelbar beeinflussbarer Faktor. Die entsprechenden Kompetenzen zu entwickeln gilt als wesentlich für Zukunftsfähigkeit und Resilienz. Der künstlerische Umgang mit Materialität macht diesen Lösungsraum erfahrbar.
Auch wenn die quantitativen Einsparungen im Vergleich zur Mobilität des Publikums gering bleiben, schaffen die damit verbundenen Praktiken eine Grundlage für Haltung und Ethik im Umgang mit natürlichen Ressourcen und deren Wertschätzung.
