Das Living Lab NRW ist eine Forschungs- und Bildungsplattform der Bergischen Universität Wuppertal, die nachhaltiges Bauen erlebbar macht. Als NRW- und deutschlandweites Netzwerk hat sie zum Ziel, Forschung und Ausbildung im Bereich des klimaneutralen Bauens und der energieeffizienten Energieversorgung zu fördern. Das Lab entstand aus dem internationalen Wettbewerb Solar Decathlon SDE21/22, bei dem studentische Teams energiesparende Gebäude aus zirkulären Materialien errichteten. Einige verblieben nach dem Wettbewerb als Forschungs- und Ausstellungsobjekte an der Wuppertaler Nordbahntrasse und waren als Bildungsort zeitweise öffentlich zugänglich.
Die Wirkungspotenziale des Living Labs NRW wurden am 3. Dezember 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Diskussionsgruppe aus Architekt*innen, Bauingenieur*innen, Designer*innen sowie Personen aus der Nachhaltigkeitsforschung und den Theaterwissenschaften, der Bühnengestaltung und Kunstvermittlung analysiert. Die Projektleiterin des Living Labs NRW, Katharina Simon, stellte das Projekt vor und beteiligte sich an der Diskussion.
Die Diskutierenden sahen ein zentrales Wirkungspotenzial in den vielfältigen Lehr- und Lernformen, die im Rahmen des Living Lab NRW erprobt werden. Diese beziehen Bürger*innen, vor allem aber Studierende aktiv ein und bieten einen erfahrungsbasierten Zugang, der langfristiges Lernen aus der Praxis für die Praxis ermöglicht. So fungiere das Lab als Lern- und Bildungsort für nachhaltige Entwicklung (SDG 4).
Die Teilnehmenden diskutierten die Idee, diesen Ansatz zu vertiefen, indem Künstler*innen eingeladen werden, sich aktiv mit den Häusern des Living Lab NRW auseinanderzusetzen: Kunst könne „vermittelnd wirken, um Hemmschwellen zu senken“ und habe die Kraft, Menschen emotional für Nachhaltigkeit zu begeistern. Das Lab könnte so zu einem Ort des Experimentierens werden, an dem Bürger*innen im Sinne einer „alternativen Institution“ aktiv teilhaben und den gesellschaftlichen Dialog in Abgleich mit Ressourcenknappheit explorieren können (SDG 16).


Das größte Wirkungspotenzial des Projekts sei die Auseinandersetzung mit der Frage, wie ein angemessener Wohnstandard für alle erreicht werden kann, indem Baulücken genutzt, geteilte städtische Räume auf effektive Weise einbezogen und neue, ressourcenleichte Bauweisen erprobt werden. Das Ziel sei es, weg vom “Neubau auf grüner Fläche” zu kommen und stattdessen für Ansätze wie Umnutzung oder Nachverdichtung zu sensibilisieren, die im urbanen Raum mehr hochwertigen Wohnraum mit weniger Ressourcen- und Energieinput ermöglichen (SDG 11).
Das Living Lab biete als Reallabor die Möglichkeit, unter Einbezug von Bürger*innen in den Forschungsprozess neue Wohnkonzepte zu erproben und neue Erkenntnisse über Komfort und Lebensqualität, resiliente Städte und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Bausektor zu gewinnen (SDG 9, 12). Daneben zeige das Projekt, wie mit Photovoltaik, Nahwärmenetz und einer Kooperation mit den Wuppertaler Stadtwerken ein Beitrag zu einer lokalen, unabhängigen Energieversorgung geleistet werden kann (SDG 7).
Schließlich zeigte sich für die Teilnehmenden in der internationalen Ausrichtung und der Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen ein weiteres Wirkungspotenzial: Das Projekt entstand aus einem internationalen Wettbewerb, an dem Teams aus verschiedenen Teilen der Welt – etwa aus Taiwan, Frankreich oder Spanien – beteiligt waren. Die Teilnehmenden der Diskussion meinten, die Internationalität und kulturelle Vielfalt würden sich auch in den Gebäuden widerspiegeln (SDG 17).
Im Hinblick auf die natürlichen Ressourcen hob die Diskussionsgruppe hervor, dass das Projekt einen bewussten Umgang mit Rohstoffen anstrebt – durch die Erprobung und Verarbeitung vielfältiger Materialien aus der Natur, durch Fassaden- und Dachbegrünung sowie durch die Anwendung von Prinzipien einer Schwammstadt. Diese Maßnahmen schonen Ressourcen und tragen zur Anpassung an den Klimawandel bei. Darüber hinaus sensibilisiere das Projekt für Flächensuffizienz und fördere so einen sparsamen Umgang mit begrenztem urbanem Raum (SDG 13, 15).



