Das Klimagebet ist ein interreligiöses Format, das ökologische Fragen mit spirituellen und gemeinschaftlichen Erfahrungen verbindet. Im Zentrum steht das gemeinsame Gebet von Menschen unterschiedlicher Religionen, die aus ihren jeweiligen Traditionen heraus Beiträge einbringen. Durch die Verbindung von liturgischen Elementen, Musik und thematischen Impulsen – beispielsweise systemisch integriert zu Klimaschutz, Artenvielfalt oder Frieden – entsteht ein Raum, in dem globale Herausforderungen emotional erfahrbar und gemeinsam reflektiert werden. Im Selbstverständnis der Initiator*innen ist das Klimagebet ein Projekt, das im Dialog zwischen den Religionen neue Perspektiven auf globale ökologische Verantwortungen eröffnen will.
Die Wirkungspotenziale des Klimagebets wurden am 5. März 2026 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Theolog*innen, Designer*innen, Soziolog*innen sowie Personen aus den Bereichen Film, Handwerk und Management analysiert. Klaus von Stosch, der Initiator des Klimagebets, hat das Projekt präsentiert und mitdiskutiert. Ergänzend wurde das Filmportrait zum Projekt gezeigt.
In der Diskussion wurde deutlich, dass das Klimagebet Potenziale für ein gutes Leben insbesondere über emotionale, gemeinschaftliche und bildungsbezogene Erfahrungen entfalten kann. Die Teilnehmenden betonten, dass das gemeinsame Erleben multireligiöser Praxis dazu beitrage, Berührungsängste abzubauen und das Fremde als bereichernd wahrzunehmen. Indem Vorurteile reduziert werden, werden Begegnungen zwischen unterschiedlichen religiösen Gruppen möglich. Darüber hinaus wurden demokratiefördernde sowie sozial ausgleichende Potenziale diskutiert: Das Projekt eröffne Räume, in denen Differenzen ausgehalten und respektvoll verhandelt werden können (SDG10). Über den religiösen Kontext hinaus könnte eine neue Kultur des Zuhörens Impulse für ein friedliches und inklusives gesellschaftliches Miteinander geben (SDG 16).
In der themengeleiteten Auseinandersetzung durch die Verbindung von Ritual, Musik und Gespräch wurde eine Form ganzheitlicher Bildung gesehen, die über kognitive Zugänge hinausgehe. Insbesondere im schulischen Kontext könne das Projekt durch das Angebot von Fortbildungen und Unterrichtsmaterialien für den Religions- und Philosophieunterricht dazu beitragen, Wissen zu vermitteln, Religionen übergreifend erfahrbar zu machen, Neugier zu wecken und Reflexionsprozesse anzustoßen. So könne es auch Impulse für die Weiterentwicklung derzeitiger Konzepte für den Religionsunterricht geben (SDG 4). Die Teilnehmenden der Diskussion beschrieben das Projekt sowohl als sinnstiftend als auch emotional berührend, wodurch sich positive Effekte auf das individuelle Wohlbefinden sowie ein Gefühl von Verbundenheit einstellen könnten (SDG 3).
Auf der Ebene der Versorgungssysteme wurde insbesondere die Bedeutung von Kooperationen und tragfähigen Netzwerken hervorgehoben. Die Teilnehmenden betonten, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften, institutionellen Akteur*innen und professionellen Künstler*innen eine zentrale Voraussetzung für die Umsetzung des Projekts darstelle und auf einem langfristigen Vertrauensaufbau basiere (SDG 17). In diesem Zusammenhang wurde die entstandene „Relationsgemeinschaft“ als besonders wertvoll beschrieben, da sie konkrete gemeinsame Praxis ermögliche.
Zugleich wurde das Klimagebet im Zuge der Diskussion als Beitrag zu sozialen Infrastrukturen im urbanen Raum verstanden. Durch die Durchführung an öffentlich zugänglichen und teils unerwarteten Orten wie zum Beispiel den Bonner Marktplatz könnten neue Räume der Begegnung entstehen, in denen Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenkommen. Dies könne das soziale Miteinander in Städten stärken und zur Entwicklung inklusiver Gemeinschaften beitragen (SDG 11).
Im Zentrum des Projekts steht die Auseinandersetzung mit Klimawandel und Biodiversität, die im Diskussionsverlauf als eng mit spirituellen und emotionalen Erfahrungen verknüpft beschrieben wurde. Die Teilnehmenden hoben hervor, dass die Integration von Themen wie Klimaschutz oder Artenvielfalt in die liturgische Praxis eine neue Form des Zugangs zu ökologischen Fragestellungen, wechselseitig aber auch neue Zugänge zu religiösen Themen eröffne. Die Auseinandersetzung mit Natur und Schöpfung könne das Bewusstsein für Biodiversität und ökologische Zusammenhänge schärfen (SDG 15), ein stärkeres Verantwortungsgefühl gegenüber natürlichen Lebensgrundlagen anstoßen und so die Motivation für nachhaltiges Handeln erhöhen (SDG 13).
