Good Practice

Cosmaki

Cosmaki

Das Kölner Naturfärbe-Atelier Cosmaki haucht ausrangierten Textilien ein neues Leben ein. Mit natürlichen Farben aus Pflanzen, Mineralien und lokalen Lebensmittelresten werden in Handarbeit aus textilen Objekten, die für die Entsorgung vorgesehen sind, wie Hotelbettwäsche einzigartige Kleidungsstücke und Wohntextilien gefertigt. Über die Verbindung von Handwerk, Design und Kunst fördert Cosmaki kreislaufwirtschaftliches Denken und Handeln für einen nachhaltigen Umgang mit Textilien auch durch Beratungen und Workshops für alle Altersstufen.

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Projektbeteiligte
Simon Hariman
Erscheinungsjahr:
2023
Orte:
Köln

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Kontakt:
simon@cosmaki.com
Werkkategorie:
Produkt, Workshops
Tags:
Links:

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Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good Practice?

Die Wirkungspotenziale von Cosmaki wurden am 9. Juli 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Diskussionsgruppe analysiert. Am Gespräch teilgenommen haben Personen, die ihre Perspektiven aus den Disziplinen Industriedesign, Kreativwirtschaft und Handwerk in die Diskussion einbrachten. Da der Gründer von Cosmaki, Simon Hariman, selbst nicht anwesend sein konnte, wurde das Projekt durch eine Mitarbeiterin von creative.nrw, die das Projekt in einem Mentoring-Programm unterstützt hatte, der Gruppe vorgestellt. Sie berichtete unter anderem, dass der Ein-Mann-Betrieb ausrangierte Textilien wie Bettwäsche oder Badematten von einer Kölner Wäscherei beziehe, die teilweise kaum genutzt und dennoch von Hotels aussortiert wurde. Auch zum Färben der Textilien werden pflanzliche Stoffe wie etwa Schalen von Roter Bete oder bereits benutzter Tee aus nahegelegenen Restaurants genutzt, die sonst als Lebensmittelabfälle entsorgt würden.

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Gutes Leben

Die Diskussionsgruppe betonte im Bereich des guten Lebens vor allem den Bildungsaspekt des Projekts. Zum einen sah sie diesen durch Workshops für Kinder und Jugendliche begründet, die einen niederschwelligen Zugang zu natürlichen Färbetechniken bieten, etwa durch das praktische Arbeiten mit pflanzlichen Lebensmittelabfällen. Sie lassen die Teilnehmer*innen die Handwerkskunst des Färbens sinnlich erleben und dadurch verstehen und anwenden lernen (SDG 4).

Zum anderen sahen die Teilnehmenden auch ein Bildungspotenzial für Erwachsene. Die Produkte selbst können sowohl für Betriebe, die in kurzen Nutzungszyklen große Mengen an Textilien entsorgen, als auch für Konsument*innen Impulsgeber sein, um über Abfallproduktion und Kreislaufwirtschaft zu reflektieren.

Versorgungssysteme

Der Aha-Effekt, dass vermeintliche Abfälle zu neuen Werkstoffen werden, wurde als zentral für die Verankerung des Kreislaufgedankens nicht nur technisch bei der Produktion, sondern auch gesellschaftlich bei Konsument*innen hervorgehoben (SDG 12). 

Die Teilnehmenden erkannten in dem Upcyclingprozess der Cosmaki-Produkte auch eine wirtschaftliche Relevanz und Skalierbarkeit. Neue Partnerschaften, beispielsweise mit Färbereien, Hotels, Wäschereien oder Textilhersteller*innen, bieten den Unternehmen das Potenzial, ihre Prozessketten an sich verschärfende ökologische Rahmenbedingungen anzupassen und neue Absatzmärkte zu erschließen (SDG 12, 17). Zudem wurden Potenziale für neue Business Cases deutlich: Über ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitslabel könnten Hotels das Aufwerten und Zurücknehmen der eigenen ausrangierten Textilien kommunizieren und so explizit auf die Wiederverwendung hinweisen (SDG 17, 9). Eine Teilnehmerin brachte die Perspektive des Handwerks in die Diskussion ein und beschrieb das Potenzial, über Berater*innen der Handwerkskammern und Fachverbände das Wissen um den Recyclingprozess im Projekt an zahlreiche kleine Betriebe weitergeben zu können (SDG 17, 12).

Die Teilnehmenden beschrieben insbesondere den Färbe- und Fixierungsprozess mit pflanzlichen Abfällen als innovativ, da er Menschen an für sie neues, spezielles Know-how, Laborarbeit und entsprechende Prozesse heranführe (SDG 9). Die Teilnehmenden bewerteten die Sichtbarmachung und Vermittlung dieses Geschäftsmodells sowie die Umsetzung dieses kreislauforientierten Produktionsprozesses auch als möglichen langfristigen Beitrag zu menschenwürdiger Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG 8).

Natürliche Ressourcen

Die Teilnehmenden thematisierten die hohe Wasserintensität der Baumwollherstellung anhand von Seen, deren Wasservolumen sich durch die künstliche Bewässerung riesiger Baumwollanbauflächen katastrophal verringert hat. Angesichts zunehmender Wasserknappheit und somit voraussichtlich steigender Preise für Rohbaumwolle gewinnt die Kreislaufführung perspektivisch an Bedeutung. Die Nutzung und Aufbereitung bestehender Textilien reduziere den Bedarf an Neuproduktion und senke dadurch den Wasserverbrauch. Die Diskussionsgruppe bewertete dies als möglichen Beitrag zum Klimaschutz (SDG 13).