Good Practice

Curiosity Cloud

Curiosity Cloud

Curiosity Cloud ist eine interaktive Installation, die die Beziehung zwischen Mensch und Natur zelebriert. 264 mundgeblasene Glaskugeln enthalten handgefertigte Insekten aus 25 Arten, von ausgestorben bis neu entdeckt. Nähern sich Besucher*innen, erwachen die Insekten zum Leben, bewegen sich in den Glaskugeln und erzeugen Klänge. Traditionelles Handwerk trifft auf moderne Technik, ein imaginärer Lebenszyklus wird erlebbar.

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Projektbeteiligte
mischer'traxler studio
Erscheinungsjahr:
2015
Orte:
London/GB, NewYork/US, Dresden/DE, Bonn/DE

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Kontakt:
studio@mischertraxler.com
Werkkategorie:
Interaktive Designinstallation
Tags:
Links:
Gefördert durch:
Maison Perrier Jouët

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Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good Practice?

Die Wirkungspotenziale von Curiosity Cloud wurden am 7. Juni 2025 im Rahmen eines Workshops in der Bundeskunsthalle analysiert, wo die Installation ausgestellt war. Die Diskussionsrunde bestand aus neun Teilnehmenden mit interdisziplinärem Hintergrund, darunter Biologie, Gartenbau, Design, Wirtschaft, Journalismus und Geoinformatik. Alle Teilnehmenden hatten zuvor die Gelegenheit, die Installation selbst zu betrachten und zu erleben.

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Versorgungssysteme

Im Hinblick auf Versorgungssysteme erkennen die Teilnehmenden im Projekt Curiosity Cloud Anknüpfungspunkte zu nachhaltiger Stadtplanung (SDG 11): Besonders die Themen Lichtverschmutzung, Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft kommen in der Diskussion zur Sprache. So habe das Projekt das Potenzial, Planer*innen und Architekt*innen zu einem neuen Umgang mit Licht anzuregen und diesen Aspekt in ihre Arbeit einfließen zu lassen. 

Darüber hinaus diskutieren die Gesprächsteilnehmenden den Aspekt von „Fußabdruck versus Handabdruck“ des Kunstwerks und seiner Langlebigkeit, da es „seit 2015 auf internationalen Ausstellungen gezeigt wird und wahrscheinlich noch 20 oder 30 Jahre zugegenbleiben wird“. Dies verweise auf SDG 12 (Nachhaltige/r Konsum- und Produktion).

Im Weiteren wird der Gedanke der Kooperation und gemeinsamen Wirkung (SDG 17) deutlich: Das Projekt „bringt Menschen in den Austausch über Ziele“, fördere Dialog und Zusammenarbeit. Auch wirtschaftliche und infrastrukturelle Bezüge (SDG 8 und 9) werden erkennbar, etwa wenn betont wird, dass Insekten für uns sehr wertvoll sind. Die Natur stelle “ja im Allgemeinen ganz viele kostenlose Dienstleistungen” zur Verfügung, “für die wir nicht bezahlen müssen“ – so der Gedankengang einer Teilnehmerin. 

Das Kunstwerk werde somit zum Reflexionsraum über nachhaltige Wirtschaft, über urbane Lebensräume und über die Verantwortung für Produktions- und Konsumprozesse im globalen Zusammenhang.

Gutes Leben

Im Bereich Gutes Leben zeigt Curiosity Cloud Wirkpotenziale, indem es das enge Zusammenspiel von menschlichem Wohlergehen und ökologischer Gesundheit erfahrbar macht: „Insektenleben ist ein Indikator dafür, wie es uns gehen kann – ohne Insekten keine gesunde Umwelt.“, so das Fazit einer Teilnehmerin.
Das Kunstwerk vermittele auf sinnliche Art und Weise Wissen über Biodiversität und Lichtverschmutzung: Das Licht der Installation bringt die Insekten in Bewegung und mache ökologische Zusammenhänge unmittelbar spürbar. Durch Interaktivität und ästhetische Erfahrung entstehe eine emotionale Beteiligung, die zur Reflexion über das eigene Verhältnis zur Natur anrege.
Zugleich wird das Projekt als Bildungsraum verstanden, in dem Kinder lokale Insekten nachbauen und Zusammenhänge erkennen könnten. Die Installation erzeuge so eine starke Erlebens- und Interaktionsebene: Wer sich ihr nähert, erfährt Bewegung, Klang und Reaktion: „wenn man sich der Installation nähert, wird sie lebendig, erfahrbar, hörbar“. Diese sinnliche Konfrontation führe zu emotionaler Beteiligung und mache den Wert des Lebendigen unmittelbar spürbar. Gleichzeitig verweise das Werk auf das fragile Verhältnis zwischen Mensch und Natur: „je näher man herantritt, desto mehr entziehen sich die Insekten der genauen Betrachtung“. Eine Ambivalenz, die einen besonderen pädagogischen Wert darstellt.

Natürliche Ressourcen

Im Bereich der Natürlichen Ressourcen wird Curiosity Cloud von den Teilnehmenden als besonders wirkungsvoll wahrgenommen. Insekten werden als Schlüsselindikatoren für ökologische Stabilität verstanden: „Insekten gleich Artenvielfalt, Artenvielfalt gleich Ernährung.“ Damit werden direkte Bezüge zu SDG 15Leben an Land hergestellt.

Mehrfach wird betont, dass Insekten „von zentraler Bedeutung für alle Umsetzungsprozesse auf dem Planeten“ sind und dass ihr Rückgang auf tiefere Störungen im Ökosystem verweise. Auch die Verbindung zum Klimaschutz (SDG 13) wird hergestellt: „Diese Empfindlichkeit […] mobilisiert, das Klima schützen zu wollen.“

Zudem verweise das Projekt auf die Verflechtung menschlichen Handelns mit natürlichen Stoffkreisläufen. Ein Teilnehmer beschreibt: „Die Natur ist ein riesiger Kreislauf. Wir machen Müll – die Natur nichts. Sie macht nur Rohstoffe.“ Hier wird das Prinzip einer ressourcenschonenden, zirkulären Ökonomie deutlich, die Naturprozesse nachahmen sollte.

Insgesamt fördere das Projekt ein Bewusstsein für ökologische Abhängigkeiten, rege zur Reflexion über eigene Handlungsmöglichkeiten an – etwa beim naturnahen Gärtnern – und stärke damit die Verbindung zwischen Mensch und Umwelt: „Es geht ja im Wesentlichen darum, Beziehungen aufzubauen zu Insekten, damit wir etwas dafür tun, dass es wieder mehr gibt.“