Der Kiosk of Solidarity ist eine wandelbar gestaltete, mobile soziale Infrastruktur, die als sozialer Treffpunkt im Stadtraum Einsatz findet. Als Plattform steht der Kiosk für verschiedene gesellschaftliche Akteur*innen offen und verleiht ihren Themen Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Im Selbstverständnis der Betreiber*innen ist er ein Format, das Austausch, Teilhabe und politische Bildung fördern soll.
Die Wirkungspotenziale des Kiosk of Solidarity wurden am 9. Dezember 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Diskussionsgruppe bestehend aus Expert*innen aus Design, Kunst, Nachhaltigkeitswissenschaft, Theaterwissenschaft und Kunstvermittlung analysiert. Konkret betrachtet wurde hier die Anwendung des Kiosk of Solidarity im Rahmen der baunetz CAMPUS Sommerschule “Wert der Dinge” im September 2024 vor dem Pina Bausch Zentrum in Wuppertal. Die Sommerschule beschäftigte sich mit einer differenzierten Betrachtung der gebauten und sozialen Substanz von Städten, mit einem Fokus auf Wohnungsnot und Obdachlosigkeit. Mitinitiator Moritz Ahlert stellte das Projekt persönlich vor und nahm an der Diskussion teil.
Die Mitwirkenden der Wirkungspotenzialanalyse bestätigten die Wirkung des Kiosks als temporären Ort des Austauschs und der Begegnung. In der Diskussion wurde besonders seine Niederschwelligkeit hervorgehoben: Der Kiosk erleichtert spontane Kontakte, die als förderlich für das soziale Miteinander und das Wohlbefinden wahrgenommen wurden (SDG 3). Darüber hinaus wurde ihm das Potenzial eines „Dritten Ortes“ zugeschrieben – eines offenen Raums, in dem Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen aufeinandertreffen, gegenseitiges Verständnis fördern und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können. Hervorgehoben wurde, dass insbesondere marginalisierte Gruppen durch die Arbeit am Kiosk Sichtbarkeit und eine Stimme im Stadtraum erhalten. Dies trage dazu bei, gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und soziale Ungleichheiten abzubauen (SDG 10). Gleichzeitig wurde betont, dass der Kiosk auch über diese Gruppen hinaus unterschiedliche Lebensrealitäten erfahrbar machen und damit das Verständnis füreinander erweitern könnte. Einige Teilnehmende sahen darüber hinaus ein Bildungspotenzial in den Formaten rund um den Kiosk – etwa Workshops, Gesprächen und anderen partizipativen Aktivitäten. Diese ermöglichen informelles Lernen und tragen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (SDG 4) zur Entfaltung von Kompetenzen und Gestaltungsspielräumen bei. In Formaten, in denen Fragen von sozialer Ungleichheit, Teilhabe oder Stadtentwicklung verhandelt werden, könne der Kiosk zudem Impulse für Inklusion, neue Allianzen und demokratische Aushandlungsprozesse geben. Durch seine offene, dialogische Struktur bietet er Raum für Austausch und Mitbestimmung und unterstützt damit eine friedliche und inklusive Stadtgesellschaft (SDG 16). In der Offenheit des Formats sah die Gruppe zudem einen wichtigen Faktor, um Menschen den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe zu erleichtern. Formate rund um den Kiosk könnten so erste Schritte darstellen, um die konkreten Lebensrealitäten und Bedürfnisse vor Ort in größere Veränderungsprozesse einzubringen.



Auch die von den Kiosk-Betreiber*innen forcierte Nutzung urbaner Restflächen und öffentlicher Räume wurde im Gespräch thematisiert: Der Kiosk eröffnet temporär soziale Räume an Orten – in der Diskussion “Ankerplatz” genannt –, die bislang ungenutzt oder ungesehen waren – und kann so als Impulsgeber für eine nachhaltigere (im Sinne einer gerechteren) Nutzung des städtischen Raums wirken. Die Teilnehmenden sahen eine über das einzelne Ereignis hinausreichende strukturelle Wirkung. Der Kiosk werde als Ort, der zum Verweilen einlädt, Teil eines Versorgungssystems kulturellen Lebens, das kollektive Praktiken trägt und die Qualität des städtischen Zusammenlebens stärkt (SDG 11). Außerdem wurde in der Diskussion hervorgehoben, dass der Kiosk durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen und Stadtgesellschaften bestehende Netzwerke stärke und Aktivist*innen Sichtbarkeit gebe – zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit Räumungsklagen (SDG 17). Die Teilnehmer*innen betonten, dass dadurch neue Partnerschaften entstehen können, die lokale Lösungsansätze voranbringen und bestehende Versorgungssysteme durch gemeinschaftlich getragene Strukturen bereichern können. Die Diskussionsteilnehmenden wiesen zudem darauf hin, dass der Kiosk Defizite im städtischen Raum sichtbar macht – etwa das Fehlen von Sitzgelegenheiten oder Sanitärinfrastruktur. Dies könne Debatten über eine gerechtere, inklusivere und nachhaltigere Stadtgestaltung anstoßen.
Fragen danach, inwiefern der Kiosk einen direkten Beitrag zur Erreichung ökologischer Nachhaltigkeitszielen leistet oder Auswirkungen auf natürliche Ressourcen hat, wurden in der Diskussion nicht vertieft. Einige Teilnehmende merkten jedoch an, dass einzelne Initiativen, die mit dem Kiosk arbeiten, potenziell auch Fragen zu natürlichen Ressourcen adressieren – etwa über Veranstaltungen zu nachhaltiger Ernährung, der Wiederverwendung von Materialien oder zu klimabewusster Stadtgestaltung.
Abschließend resümierte die Gruppe, dass das Wirkungspotenzial im Bereich des Ressourcenverbrauchs stark von der jeweiligen Nutzung des Kiosk und den Inhalten der beteiligten Gruppen abhängt und somit kontextabhängig zu prüfen wäre.
