Good Practice

Das Rezyklat

Das Rezyklat

Das Rezyklat ist ein Designstudio in Essen, das 2022 von Steffen Hartwig und Dustin Jessen gegründet wurde. In ihrer Werkstatt für Kunststoffrecycling – dem ersten Precious Plastic Workspace im Ruhrgebiet – vereinen sie Materialbeschaffung und -aufbereitung, Gestaltung und Produktion an einem Ort. Das Studio zeigt, wie aus alltäglichen Kunststoffabfällen neue individuell gestaltete Produkte, vom Garderobenhaken bis zur Wandgestaltung, entstehen können. Eingebettet in das internationale Netzwerk von Precious Plastic verbindet Das Rezyklat Urban Mining und lokale Herstellung, die auf selbstgebauten Produktionsmaschinen fußt.

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Projektbeteiligte
Steffen Hartwig & Dustin Jessen
Erscheinungsjahr:
2022
Orte:
Essen

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Kontakt:
info@dasrezyklat.de
Werkkategorie:
Produkte, Objekte, Interieurs, Ausstellungen, Workshops
Tags:
Links:
Gefördert durch:
Von 2022 bis 2024 im Rahmen des Programms „Kreativ.Quartiere Ruhr“ gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) und umgesetzt von ecce – european centre for creative economy GmbH

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Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good Practice?

Die Wirkungspotenziale von Das Rezyklat wurden am 3. Dezember 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Designer*innen und Designforscher*innen, Künstler*innen, sowie Personen aus dem Bereich des Handwerks analysiert. Die Projektakteure stellten das Projekt vor und beteiligten sich an der Diskussion

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Gutes Leben

Das Rezyklat wurde bezüglich des guten Lebens insbesondere als Bildungs- und Befähigungsprojekt diskutiert und von den Diskussionsteilnehmenden als Beispiel für „Bildung, die im Städtemaßstab stattfindet“ beschrieben. In vielen Städten gebe es zunehmend Überlegungen, wie durch offene Lern- und Experimentierräume und das Bereitstellen von Maschinen und Werkzeugen formale Bildungsangebote ergänzt und erweitert werden können. Das Beispiel regte diesbezüglich zahlreiche Ideen an: Durch Workshops, Ausstellungen und Vorträge könnte Das Rezyklat Recyclingprozesse praktisch erfahrbar machen und Fragen nach Materialeigenschaften, Produktlebensdauer und Recyclingeigenschaften verhandeln. Kooperationen mit Repair Cafés wurden als eine Möglichkeit genannt, um Reparaturbewusstsein, Selbstwirksamkeit und damit nachhaltiges Handeln gesamtgesellschaftlich zu stärken (SDG 4).

Versorgungssysteme

Die Projektakteure berichteten, dass das Studio zunehmend Anfragen von Firmen erhalte, die an der Produktion individueller Produkte in kleinen bis mittelgroßen Stückzahlen interessiert seien. Dabei werde Das Rezyklat weniger als Industriebetrieb, sondern als Manufaktur wahrgenommen und die Produkte als handwerklich gefertigte, lokal verankerte Unikate erachtet: Beim Einschmelzen verschiedenfarbiger Kunststoffe entstehen Batikeffekte, die jedes Stück einzigartig machen. Diskutiert wurde auch, dass Kund*innen eigene Kunststoffabfälle beisteuern könnten, um die Farbgestaltung zu personalisieren und die emotionale Langlebigkeit des Produkts zu stärken (SDG 12).

Der selbstgebaute, handbetriebene Maschinenaufbau wurde als „Vorzeigeelement“ diskutiert, da er sowohl auf Materialebene als auch auf der damit verbundenen Produktionsebene ein Modellprojekt für urbane Produktion darstellt (SDG 9). Davon ausgehend biete das Projekt das Potenzial, durch die Vernetzung mit Wirtschaftsunternehmen Ersatzteile für Reparatur und Wartung lokal herzustellen. So können andere Akteur*innen inspiriert werden, im Kontext des „Rechts auf Reperatur“ eigene Manufakturen aufzubauen. Individualisierung, Kleinserien und der „Story-Mehrwert“ der Unikate könnten dabei den Nachahmungseffekt stärken (SDG 11, 12, 17). Das Atelier- und Manufakturprinzip ermögliche Arbeitsformen, die handwerklich, individuell gestaltbar, ressourcenschonend, einfach erlernbar und lokal verankert seien (SDG 8).

Kooperationen mit Kulturinstitutionen, Handwerksbetrieben und Fachverbänden wurden als Möglichkeit gesehen, um die Produktionsweise zu erproben, die erst als Teil eines ganzen nachhaltigen Reparatur- und Recycling-Ökosystems ihre volle Wirkung entfalten könnte.

Natürliche Ressourcen

Das Rezyklat wurde von den Teilnehmenden als ressourcensparendes Projekt hervorgehoben, da es Kunststoffabfälle vor der Vernichtung rette und zu neuen Produkten verarbeite. Die Projektakteure wiesen darauf hin, dass in Deutschland derzeit etwa zwei Drittel aller Kunststoffabfälle in Müllverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung verbrannt werden. Im Gegensatz dazu erzeuge Das Rezyklat „Materialspeicher“, da der Kunststoff über Jahre weiter genutzt und das darin gebundene CO₂ nicht freigesetzt werde (SDG 13). Dabei gaben die Projektakteure zu bedenken, dass auch die Recyclingprozesse Energie benötigen: Pro Produkt entstehen durch den Stromverbrauch etwa 7 bis 10 Gramm CO2. Für die Teilnehmenden überwogen jedoch die positiven Effekte durch Material, das länger in der Nutzung gehalten wird, sowie ein gestärktes Bewusstsein für Ressourcenverbrauch und -nutzung.