Das Rezyklat ist ein Designstudio in Essen, das 2022 von Steffen Hartwig und Dustin Jessen gegründet wurde. In ihrer Werkstatt für Kunststoffrecycling – dem ersten Precious Plastic Workspace im Ruhrgebiet – vereinen sie Materialbeschaffung und -aufbereitung, Gestaltung und Produktion an einem Ort. Das Studio zeigt, wie aus alltäglichen Kunststoffabfällen neue individuell gestaltete Produkte, vom Garderobenhaken bis zur Wandgestaltung, entstehen können. Eingebettet in das internationale Netzwerk von Precious Plastic verbindet Das Rezyklat Urban Mining und lokale Herstellung, die auf selbstgebauten Produktionsmaschinen fußt.
Die Wirkungspotenziale von Das Rezyklat wurden am 3. Dezember 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Designer*innen und Designforscher*innen, Künstler*innen, sowie Personen aus dem Bereich des Handwerks analysiert. Die Projektakteure stellten das Projekt vor und beteiligten sich an der Diskussion
Das Rezyklat wurde bezüglich des guten Lebens insbesondere als Bildungs- und Befähigungsprojekt diskutiert und von den Diskussionsteilnehmenden als Beispiel für „Bildung, die im Städtemaßstab stattfindet“ beschrieben. In vielen Städten gebe es zunehmend Überlegungen, wie durch offene Lern- und Experimentierräume und das Bereitstellen von Maschinen und Werkzeugen formale Bildungsangebote ergänzt und erweitert werden können. Das Beispiel regte diesbezüglich zahlreiche Ideen an: Durch Workshops, Ausstellungen und Vorträge könnte Das Rezyklat Recyclingprozesse praktisch erfahrbar machen und Fragen nach Materialeigenschaften, Produktlebensdauer und Recyclingeigenschaften verhandeln. Kooperationen mit Repair Cafés wurden als eine Möglichkeit genannt, um Reparaturbewusstsein, Selbstwirksamkeit und damit nachhaltiges Handeln gesamtgesellschaftlich zu stärken (SDG 4).



Die Projektakteure berichteten, dass das Studio zunehmend Anfragen von Firmen erhalte, die an der Produktion individueller Produkte in kleinen bis mittelgroßen Stückzahlen interessiert seien. Dabei werde Das Rezyklat weniger als Industriebetrieb, sondern als Manufaktur wahrgenommen und die Produkte als handwerklich gefertigte, lokal verankerte Unikate erachtet: Beim Einschmelzen verschiedenfarbiger Kunststoffe entstehen Batikeffekte, die jedes Stück einzigartig machen. Diskutiert wurde auch, dass Kund*innen eigene Kunststoffabfälle beisteuern könnten, um die Farbgestaltung zu personalisieren und die emotionale Langlebigkeit des Produkts zu stärken (SDG 12).
Der selbstgebaute, handbetriebene Maschinenaufbau wurde als „Vorzeigeelement“ diskutiert, da er sowohl auf Materialebene als auch auf der damit verbundenen Produktionsebene ein Modellprojekt für urbane Produktion darstellt (SDG 9). Davon ausgehend biete das Projekt das Potenzial, durch die Vernetzung mit Wirtschaftsunternehmen Ersatzteile für Reparatur und Wartung lokal herzustellen. So können andere Akteur*innen inspiriert werden, im Kontext des „Rechts auf Reperatur“ eigene Manufakturen aufzubauen. Individualisierung, Kleinserien und der „Story-Mehrwert“ der Unikate könnten dabei den Nachahmungseffekt stärken (SDG 11, 12, 17). Das Atelier- und Manufakturprinzip ermögliche Arbeitsformen, die handwerklich, individuell gestaltbar, ressourcenschonend, einfach erlernbar und lokal verankert seien (SDG 8).
Kooperationen mit Kulturinstitutionen, Handwerksbetrieben und Fachverbänden wurden als Möglichkeit gesehen, um die Produktionsweise zu erproben, die erst als Teil eines ganzen nachhaltigen Reparatur- und Recycling-Ökosystems ihre volle Wirkung entfalten könnte.
Das Rezyklat wurde von den Teilnehmenden als ressourcensparendes Projekt hervorgehoben, da es Kunststoffabfälle vor der Vernichtung rette und zu neuen Produkten verarbeite. Die Projektakteure wiesen darauf hin, dass in Deutschland derzeit etwa zwei Drittel aller Kunststoffabfälle in Müllverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung verbrannt werden. Im Gegensatz dazu erzeuge Das Rezyklat „Materialspeicher“, da der Kunststoff über Jahre weiter genutzt und das darin gebundene CO₂ nicht freigesetzt werde (SDG 13). Dabei gaben die Projektakteure zu bedenken, dass auch die Recyclingprozesse Energie benötigen: Pro Produkt entstehen durch den Stromverbrauch etwa 7 bis 10 Gramm CO2. Für die Teilnehmenden überwogen jedoch die positiven Effekte durch Material, das länger in der Nutzung gehalten wird, sowie ein gestärktes Bewusstsein für Ressourcenverbrauch und -nutzung.


