Das Fungi Orchestra ist eine kollaborative Klanginstallation und Performance von Menschen und Pilzen. Pilze, die auf keramischen Strukturen vor Ort gewachsen sind, wurden als Co-Akteur*innen in die Performance einbezogen, indem ihre für das menschliche Ohr nicht hörbaren bioelektrischen Impulse über Elektroden und technische Steuerelemente in Klänge übersetzt wurden. Die Arbeit entstand unter der Leitung der Künstlerin Maria Wildeis im Rahmen der Ausstellung Fruchtbare Strukturen – Laborausstellung für vernetztes Denken und Handeln in der Kunsthalle Barmen, gemeinsam mit Katharina Maderthaner und Studierenden der Bergischen Universität Wuppertal.
Die Wirkungspotenziale des Fungi Orchestra wurden am 9. März 2026 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Designer*innen, Künstler*innen, Kurator*innen sowie Personen aus den Bereichen Kunstpädagogik und Handwerk analysiert. Maria Wildeis hat das Projekt präsentiert und mitdiskutiert. Ebenfalls anwesend war Katharina Maderthaner, die mit verschiedenen Studierendengruppen Vorarbeiten für die Installation geleistet hat – etwa die Herstellung der Keramiken, auf denen die Pilze wuchsen.
Ein grundlegendes Wirkungspotenzial des Fungi Orchestra sah die Diskussionsgruppe in seinem hohen ästhetischen Wert, der sich aus seiner Ansprache mehrerer Sinne und aus seiner Neuheit speise – sowohl durch die Kombination von bildender Kunst und Musik als auch durch die Anwesenheit lebender Organismen im steril wirkenden Museumsraum. Dies erzeuge Irritation, die die Besucher*innen dazu bringe, neue Perspektiven einzunehmen und neue Eindrücke zuzulassen, gemäß der Frage „Was können wir von Pilzen lernen?“ (SDG 4). Die Perfomance habe dabei eine „gewisse Poesie und Uneindeutigkeit“, indem sie den Pilzen keine fixen Eigenschaften zuschreibe. Als fühlende, kommunizierende und sich untereinander organisierende Lebewesen geben sie Impulse in Richtung eines geschärften Bewusstseins für die eigene Position innerhalb komplexer Systeme und werden nicht nur als wertvolle Rohstoffquelle betrachtet.


In der Performance sah die Gruppe ein besonderes Beispiel für eine offene Herangehensweise an neue Partnerschaften – in diesem Fall die Partnerschaft mit einem „Biowesen“ (SDG 17). Die Arbeit wirke, als hätte diese Herangehensweise im Vorfeld keine konkreten Erwartungen an die Partner*innen beinhaltet, sondern vielmehr eine Neugierde, was aus der Verbindung erwachsen könnte. Auf dieser Basis könne eine „Auseinandersetzung mit der Natur auf einer neuen Ebene“ stattfinden. Dabei wurde diskutiert, inwiefern eine so ungleiche Partnerschaft überhaupt annähernd egalitär gestaltet werden könne und sollte.
Die besondere Ästhetik der Kombination aus organischen Pilzen, mineralischen Keramiken und Lavakies, sowie technischen Kabeln, Platinen, Bildschirmen und Lautsprechern rührte an althergebrachten Vorstellungen von Natur und Technik und führte zu der Frage hin, wie „klassische industrielle Infrastrukturen mit organischen Systemen“ künftig zusammenarbeiten könnten (SDG 9). Das schließe auch die Fragen ein, was aus Pilzen oder mit ihrer Hilfe hergestellt werden kann und was solche Produktionsweisen den bestehenden Prozessen voraus haben – ob sie beispielsweise eher als technische Verfahren dazu geeignet sind, Stoffkreisläufe zu schließen oder in städtische Kontexte eingebettet zu werden (SDG 11, 12).
Als mögliche Wirkung bezüglich der Ebene der natürlichen Ressourcen besprach die Diskussionsgruppe das sinnliche Erlebnis der Performance, das bei den Betrachtenden ein Bewusstsein für das Organische unserer Welt schaffen und zu Verhaltensänderungen führen könne. Dabei gebe Fungi Orchestra keine konkreten Handlungsimpulse, doch es kämen „ganz viele verschiedene Leute dorthin und die nehmen vielleicht auch sehr viel Verschiedenes mit“. Natürlich Ressourcen werden so zu Verhandlungs- oder gar Kooperationspartner*innen, deren Organismen sich ebenso zur Handlung äußern wie der Mensch selbst. In dieser Interaktion ergeben sich veränderte Handlungsoptionen der gegenseitigen Fürsorge, die sich auf die natürliche Umwelt und den Umgang mit ihr auswirken (SDG 13, 15).


