Der Pfandring ist ein von dem Produktdesigner Paul Ketz entwickeltes Metallelement, das seit 2012 an öffentlichen Mülleimern angebracht wird. Das Produkt ermöglicht es Konsument*innen, Pfandflaschen sichtbar und stabil außerhalb der Mülltonne abzustellen, anstatt sie hineinzuwerfen. Leergut kann entnommen und Sammelorten zugeführt werden, ohne in den Abfall greifen zu müssen. So können mehr Wertstoffe dem Recyclingkreislauf zugeführt werden. Die Initiative startete als Pilot; mittlerweile gibt es den Pfandring – wenn auch nicht flächendeckend – in über 60 Städten deutschlandweit.

Die Wirkungspotenziale von Pfandring wurden am 11. Juni 2024 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Expert*innen der Designforschung, Nachhaltigkeitswissenschaft, Stadtverwaltung, Produkt- und Innovationsentwicklung sowie des Industriedesigns analysiert.
Aus praktischer Sicht sahen die Diskutierenden im Pfandring eine funktional-gestalterische Lösung, die Pfandsammler*innen den Zugriff auf Leergut erleichtert. Durch die Trennung von Pfandflaschen vom Restmüll verringere die Vorrichtung Risiken für Sicherheit und Gesundheit (SDG 3). Aus sozialer Perspektive wurde der Pfandring ambivalent diskutiert: Einerseits mache er soziale Ungleichheiten sichtbar – während manche Menschen auf die Rückgabe von Pfand-Verpackungen verzichten können und Wertstoffe achtlos wegwerfen, sind andere auf die Einnahmen durch das Pfandsammeln angewiesen (SDG 1, 10). Andererseits wurde die unkomplizierte Lösung auch kritisch gesehen, da die Gefahr bestehe, soziale Ungleichheiten unhinterfragt fortzuschreiben, wenn Konsument*innen die Verantwortung für das Recycling ihres Leerguts bequem an Bedürftige abgeben können – es vielleicht sogar als Spende betrachten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage diskutiert, ob Dinge wie der Pfandring einen Beitrag zu einem sozial bewussteren zwischenmenschlichen Umgang leisten können. Die Teilnehmenden schlossen, dass der Pfandring als Diskursobjekt fungiere, das die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Armut inmitten unserer Gesellschaft forciere, aber nicht zur Lösung des Problems auf gesellschaftlicher Ebene beitrage. Einzelne Objekte könnten diesbezüglich nur Wirkung in entsprechend angelegten sozio-politischen wie sozio-technischen Strukturen entfalten.
Auf der Ebene der Versorgungssysteme wurde der Pfandring als Ergänzung der städtischen Infrastruktur betrachtet (SDG 9, 11). In Anbetracht der herrschenden infrastrukturellen und sozialen Rahmenbedingungen stelle er eine „pragmatische Lösung für ein Entsorgungsproblem“ dar, indem er eine Möglichkeit biete, Wertstoffe davor zu retten, mit dem Restmüll verbrannt zu werden, und stattdessen dem Recycling zuzuführen. Dies trage zur „Mülltrennung im ersten Schritt“ und damit zu einer effizienteren Kreislaufwirtschaft bei (SDG 12).
Die Gruppe diskutierte mögliche Beiträge zur Ebene der natürlichen Ressourcen nur indirekt, etwa in Bezug auf eine verbesserte Recyclingquote, stellten während der Diskussionsrunde jedoch keine expliziten Wirkketten zu einem der entsprechenden SDGs her.


