Good Practice

Pangasius

Pangasius

Pangasius ist eine Installation der Künstlerin Katharina Maderthaner, die aus einem Berg aus echten Eiswürfeln besteht, auf dem täuschend echt wirkende Keramiken von Pangasius-Fischfilets und kleinen Erbsen gebettet sind. Ergänzt wird die Installation durch einen handelsüblichen Leih-E-Scooter, der bei Dunkelheit den langsam schmelzenden Eisberg beleuchtet. Die Szenerie, die sowohl an Tiefkühlprodukte im Supermarkt als auch an Lebensmittelpräsentationen in Delikatessläden erinnert, wurde erstmals im Malkastenpark in Düsseldorf präsentiert.

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Projektbeteiligte
Katharina Maderthaner
Erscheinungsjahr:
2021
Orte:
Düsseldorf

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Kontakt:
maderthaner@uni-wuppertal.de
Werkkategorie:
Kunstinstallation
Links:

Wirkungspotenziale – Was macht das Projekt zum Good-Practice-Beispiel?

Die Wirkungspotenziale von Pangasius wurden am 24. Februar 2026 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Künstler*innen, Designer*innen sowie Personen aus den Bereichen Nachhaltigkeitsmanagement, partizipativer Planung und klimaneutrales Bauen analysiert.

Grafisches Modell der Methode „Map/ing Sustainability“ mit konzentrischen Kreisen und ausgewählten SDG-Symbolen. Es zeigt den Analyseansatz von Map/ing Sustainability, der potentielle Nachhaltigkeitswirkungen anhand der miteinander verknüpften Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sichtbar macht. Die konzentrischen Kreise stehen für die Wirkungsketten, die kausal aus einem Good Practice Projekt folgen: Input, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts. Das Diagramm nutzt das Drei-Ebenen-Modell des Weltressourcenrats als Grundlage: Einzelne Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind den Ebenen zugeordnet und verdeutlichen, dass Nachhaltigkeitswirkungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihren Wechselwirkungen zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen. Die Grafik dient als Orientierungsmodell für die gemeinsame Analyse von Produkten, Geschäftsmodellen, Infrastrukturen, Performances oder Kunstwerken.
Map/ing Sustainability: Analyse der Wirkungspotenziale des Projektes hinsichtlich der SDGs
SDG‑Modell: Sortierung der adressierten Nachhaltigkeitsziele in drei Ebenen: Natürliche Ressourcen, Versorgungssysteme, Gutes Leben

Gutes Leben 

Die Arbeit wurde anhand von Fotografien in ihrer Wirkung zwischen freier Assoziation und konkreter Lernerfahrung diskutiert: Statt eindeutiger Handlungsanleitungen setze das Kunstwerk auf Irritation und Poesie und lasse den Betrachtenden Spielraum für eigene Wahrnehmungen, Emotionen und Gedanken als notwendige Ergänzungen zum rein faktischen Wissen über den Klimawandel (SDG 4). Die Diskutierenden nahmen beispielsweise an, dass die Platzierung der Arbeit im öffentlichen Raum bei Betrachtenden unmittelbar Irritationen oder Verwunderungen auslösen (Was hat „roher Fisch“ im Park zu suchen? Wurde hier etwas weggeworfen?) und sowohl positive als auch negative Emotionen hervorrufen könnte. Davon ausgehend wurden unter anderem Fragen zu vermeintlicher Lebensmittelverschwendung angerissen. Zum anderen wurde die Betrachtung der Installation als produktive Lernerfahrung gewertet, um sowohl über das eigene Konsum- und Ernährungsverhalten nachzudenken (siehe dazu Versorgungssysteme SDG 2) als auch über die Produktion und den Handel von Lebensmitteln nachzudenken (siehe dazu Versorgungssysteme SDG 12). Insbesondere befanden die Diskutand*innen, dass die künstlerische Abbildung vertrauter Alltagsobjekte es erlaube, sich ohne theoretische Hürden mit diesen globalen Fragen auseinanderzusetzen, vor allem dann, wenn die sozialen und ökologischen Problematiken rund um die Zucht von Pangasius bekannt sind. 

Die Haupterkenntnis der Analyse war, dass der „bizarre Haufen“ aus Fisch, Eis und E-Scooter – vor allem auch durch seine Platzierung mitten auf einer Wiese – Aufmerksamkeit und Bewusstsein für systemische Wechselwirkungen und Zusammenhänge schaffen könne. So könne Pangasius dazu anregen, das eigene Leben in Wohlstand und Gesundheit stärker hinsichtlich der globalen Verhältnisse, auf deren Kosten wir es schaffen und erhalten, zu betrachten. (SDG 3). Die Diskutierenden meinten, dass Menschen sich eher für Veränderungen gewinnen lassen, wenn sie darin eine positive Vision für ihr eigenes Leben erkennen.

Versorgungssysteme

Für die Diskutierenden machte das Werk mit einem „gewissen Augenzwinkern“, aber ohne erhobenen Zeigefinger, den Überfluss einer globalisierten Welt spürbar, in der alles jederzeit verfügbar ist. Dabei verdeutliche die Installation auch die Spaltung der Welt: Während wir im Überfluss leben, kämpfen Menschen in anderen Regionen mit Hunger und Armut (SDG 1, 2). 

In Bezug auf Industrie und Wirtschaftswachstum provozierte die Arbeit kritische Fragen nach problematischen Produktionsbedingungen in globalen Wertschöpfungsketten, wie etwa die Fischzucht in künstlichen Becken oder die Arbeitsbedingungen für Fischer (SDG 8, 9, 12). Zudem könne der Materialmix der Installation dazu anregen, langfristige Veränderungen von Produktionsweisen einzufordern: Denn auch wenn das Eis schmilzt, könnten die langlebigen Keramik-Filets den Pangasius als Spezies überdauern. 

Diskussionsanregend wirkte die Inszenierung der Installation im Umfeld eines Parks hinsichtlich nachhaltiger urbaner Infrastrukturen (SDG 11). Der E-Scooter wurde als „zeitgeistiges Phänomen“ beschrieben, das auf nachhaltigere Mobilität und Energienutzung einzahlen soll (SDG 7), während seine Produktion und Nutzung sowie oft ungeregelte Entsorgung nicht nur kritische Ressourcen, sondern auch öffentliche Räume – beispielsweise Fußwege – in Anspruch nimmt. Die Installation mache bewusst, dass wir nicht nur zur Erhaltung unserer Mobilität von endlichen Ressourcen wie Material und Fläche abhängig sind, sondern auch zur Erhaltung unserer städtischen Erholungsräume. Damit rückt Pangasius unsere Versorgungssysteme in den Kontext ökologischer Grenzen.

Natürliche Ressourcen

Aus der Sicht der Teilnehmer*innen macht die Installation unmittelbar deutlich, dass ökologische Systeme untrennbar mit unseren Versorgungssystemen verbunden sind. In der Kombination aus Fisch und schmelzendem Eis werden gleichzeitig Themen wie die Zerstörung der Biodiversität und der Klimawandel präsent (SDG 13, 14). Wer einen Bogen zwischen dem langsam schmelzenden Eishaufen, den keramischen Pangasiusfilets, dem E-Scooter und dem Park spanne, könne ein systemisches „Kuddelmuddel“ erkennen, das dazu anrege, nach den Verbindungen zwischen diesen Elemente zu suchen.

Der Pangasius, ein Süßwasserfisch, im urbanen Raum inszeniert, schaffe des Weiteren Bezüge zur lebensnotwendigen, aber schwindenden Ressource Wasser (SDG 14). Das Projekt verdeutliche, wie sehr das Leben an Land (SDG 15) von Umweltveränderungen und Klimafolgen beeinflusst werde. Die Installation mache dieses komplexe „systemische Miteinander“ spürbar und können dazu beitragen unsere Welt als zusammenhängendes Ganzes zu begreifen.

Kunstinstallation „Pangasius“ auf einer Wiese in einer Parkanlage; ein Leih-E-Scooter beleuchtet den Hügel aus Eiswürfeln und Keramik-Fischfilets bei Dunkelheit.
© Katharina Maderthaner