Das Orchester des Wandels ist eine Initiative deutscher Berufsorchester, deren Mitglieder sich für den Ressourcen-, Klima-, Natur- und Artenschutz engagieren. In niederschwelligen, themenfokussierten Konzertformaten generieren sie Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen und unterstützen mit Hilfe der spendenbasierten Einnahmen Projekte zum Schutz des Klimas und natürlicher Ressourcen. Ein zentrales Element ist die Wahl spezifischer Konzertorte wie ein leerstehendes Schwimmbad, eine Plantage oder eine Sandbank. Diese Orte stellen einen direkten Bezug zu den jeweils fokussierten Themen her und machen sie für das Publikum unmittelbar erlebbar.
Am 19. November 2024 analysierte eine interdisziplinäre Gruppe aus Nachhaltigkeitsforschung, Handwerk, Kunst und Design die Wirkungspotenziale der Aktivitäten des Orchesters des Wandels mit der Methode Map/ing Sustainability. Aufgrund der Vielfalt der Themenschwerpunkte fokussierten sie sich dabei auf das Beispiel eines Konzerts in einem leerstehenden Wuppertaler Schwimmbad – dem Mirker Freibad, einst eines der ältesten Freibäder Deutschlands.
Die Teilnehmenden hoben insbesondere das Bildungspotenzial des Projekts hervor, da es sowohl theoretisches Wissen als auch praktisches Bewusstsein für Ressourcen vermittelte Während ein begleitender Büchertisch gezielt Informationen zu Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Transformation bereitstellt, rege auch die Wahl der Veranstaltungsorte zum Nachdenken über den Umgang mit unserer Umwelt an (SDG 4). Am Beispiel des Konzerts im leerstehenden Mirker Freibad wurden so beispielsweise Fragen zur Zukunft maroder städtischer Infrastrukturen und zur kollektiven Nutzung von Räumen aufgeworfen. Als öffentlicher, vertrauter Ort biete das Schwimmbad im Vergleich zu traditionellen Institutionen wie der Wuppertaler Stadthalle einen “niederschwelligen” Zugang, wodurch unterschiedliche Menschen erreicht werden können. Durch das Prinzip des spendenbasierten Konzerteintritts (“man kann, aber muss nicht”), werden zusätzlich Barrieren abgebaut und sichergestellt, dass Menschen unterschiedlicher sozialer Gruppen nicht nur Zugang zu klassischer Musik erhalten, sondern auch an gesellschaftlich relevanten Diskursen teilhaben können (SDG 10).
Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Schwimmbädern als öffentliche Wasserflächen für die Gesundheit der Bevölkerung und ein gesundes Stadtklima hervorgehoben. Im Sinne des One-Health-Ansatzes, der die enge Verbindung zwischen einer gesunden Umwelt und der menschlichen Gesundheit beschreibt (“gesunde Erde, gesunde Menschen”), fungieren diese Orte als notwendige öffentliche Abkühlungsmöglichkeiten bei hohen Temperaturen und stellen somit insbesondere im Kontext zunehmender Hitzebelastungen einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung dar (SDG 3).


Die Teilnehmenden thematisierten “obsoleszente Flächen” und marode Infrastrukturen, die durch die Wahl der Veranstaltungsorts aufgeworfen würden. Es wurde deutlich, wie durch gestalterische Raffinesse, Kreativität und Musik ein emotionaler Zugang geschaffen werden kann, der dazu anregen könne, “alte Dinge wiederherzustellen” und Orte im Bestand zu revitalisieren (SDG 11). Solche Projekte könnten zudem Austausch und zivilgesellschaftliche Kooperationen fördern, wodurch sowohl kulturelle Teilhabe als auch sozialer Zusammenhalt gestärkt würden (SDG 17).
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Ressourceneffizienz: Im Gegensatz zu privaten Pools stünden öffentliche Schwimmbäder bei gleicher Wassermenge wesentlich mehr Menschen zur Verfügung, was sie deutlich ressourcensparender mache und den Diskurs zum verantwortungsvollen Umgang mit Wasser- und Energieressourcen anstoßen könnte (SDG 6, 7, 12). Die gesteigerte Aufmerksamkeit für solche Orte könne zudem gesellschaftliches Engagement anstoßen, um Räume für die Bevölkerung zurückzugewinnen. Oft scheitere deren Wiederbelebung an regulatorischen Rahmenbedingungen oder denkmalpflegerischen Auflagen. Indem das Projekt diese Hürden sichtbar macht, fördere es partizipative Aushandlungsprozesse über urbane Entwicklung (SDG 11, 17).
Das Orchester des Wandels bekennt sich in seinem Manifest ausdrücklich zum Ressourcen-, Klima-, Natur- und Artenschutz und setzt dieses Engagement unter anderem durch Spenden für Klimaschutzprojekte konkret um (SDG 13). Die Diskussionsteilnehmenden hoben zudem das Potenzial der emotionalen Wirkung von Musik an eindrücklichen Orten wie dem leerstehenden Schwimmbad hervor, um das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Besucher*innen zu stärken. Das marode Becken mache zudem die Zerbrechlichkeit der gebauten Umwelt sichtbar, bleibt sie sich selbst überlassen. Dabei verdeutliche die sichbare Rückeroberung des leeren Beckens durch Pflanzen die Rolle des Menschen als „Gast in der Welt“ sowie natürlicher Regenerationsprozesse. Gleichzeitig stehe der Verfall mahnend für die Ressourcen, die beim Bau des Schwimmbads investiert wurden, und durch Pflege bestehender Infrastruktur hätten in Nutzung gehalten werden können (SDG 15).

