offsee ist eine Agentur für Produktdesign aus Wuppertal, die aus dem geteilten Interesse der drei Gründer für neuartige und kreislauffähige Materialien heraus entstanden ist. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt neben der Materialwahl auf weiteren Aspekten zirkulären Designs, wie den Strukturen, Prozessen und Nutzungskontexten, in denen Unternehmen und deren Kund*innen sich bewegen. Zu den Kunden von offsee gehören sowohl Start-ups als auch etablierte Unternehmen.
Die Wirkungspotenziale von offsee wurden am 24. Februar 2026 mit der Methode Map/ing Sustainability von einer interdisziplinären Gruppe aus Produkt- und User-Experience-Designer*innen, Nachhaltigkeits- und Kulturwissenschaftler*innen sowie Ökonom*innen analysiert. Die Gründer von offsee stellten die Agentur persönlich vor und nahmen an der Diskussion teil. Diskutiert wurde ihre Arbeitsweise anhand einer konkreten Produktentwicklung für einen Hersteller von Malerwerkzeugen.
Unter den Aktivitäten, die offsee besonders ins Zentrum ihres Wirkens stellt, wurde neben der intensiven Zusammenarbeit mit den Auftraggeber*innen und der Berücksichtigung von Perspektiven verschiedener Akteur*innen – vor allem von Endnutzer*innen – ihre “systemische Brille” identifiziert. Diese gehe einher mit einer besonderen Haltung gegenüber dem Thema Produktentwicklung: Neue Produkte sollen sich nicht allein nach dem Interesse der Auftraggeber*innen richten, sondern sind einerseits an die Bedürfnisse verschiedener Gruppen gekoppelt, andererseits an die Umweltwirkungen, die durch Produktion und Nutzung entstehen und von denen ein Großteil in der Designphase festgelegt wird. Dazu nutze offsee aktuelle, wissenschaftlich fundierte Tools wie Führ im Kreis, das am Wuppertal Institut entwickelt wurde und bei der Entwicklung kreislauffähiger Produkte unterstützen soll.
Durch diese Haltung werde ein konkreter Lernraum eröffnet (SDG 4), in dem gemeinsam neue “Nutzungsszenarien und Welten” geschaffen werden. Dadurch werden Schritte in Richtung Transformation möglich, die sonst oft verhindert werden, da Unternehmen an bestehenden Produkten in unveränderter Form festhalten. Das funktioniere, indem nicht nur Fragen gestellt werden wie: “Wie kommt eigentlich Farbe an die Wand?”, sondern auch: “Warum will jemand eigentlich Farbe an die Wand bringen?”. Der Einbezug der Bedürfnisse der Nutzer*innen wurde als Beitrag zu einer größeren Zufriedenheit dieser bewertet, was auch zu einem gesünderen Leben auf emotionaler Ebene führen könne (SDG 3).


Die systemische Sicht- und Arbeitsweise von offsee könnte laut der Diskussionsgruppe Infrastrukturen langfristig verändern: Im direkten Austausch mit Auftraggeber*innen würden deren Sorgen ausgeräumt, etwa indem sie sehen, dass neue Ansätze bei einzelnen Produkten der eigenen Produktpalette oder bei anderen Unternehmen funktionieren. Das so geschaffene Vertrauen helfe dabei, ihren “Produktfokus aufzubrechen” – sich also von bestehenden Produkten und Geschäftsmodellen zu lösen und statt inkrementeller Verbesserungen systemische Veränderungen zu wagen (SDG 9).
Indem offsee mit den von ihnen entwickelten Produkten neue Produktionsweisen nutzt, haben Hersteller*innen einen Anreiz, die dafür erforderlichen Infrastrukturen bereitzustellen. So haben ressourcenschonender hergestellte Produkte den Effekt, die Entwicklung ähnlicher Produkte durch den Aufbau entsprechender Produktionsketten zu vereinfachen und zu verstetigen. Aus ihrer Schnittstellenposition heraus könne offsee das Wissen darüber, was sich “in der Fabrik wirklich geändert hat”, auch auf andere Kund*innen übertragen (SDG 9, 12).
Durch die Nutzung neuer Materialien und Produktionsweisen “de-/materialisiere” sich in den entwickelten Produkten die Kreislaufwirtschaft, die einen direkten Beitrag zur Ressourcenschonung darstelle (SDG 13, 14, 15). Die einzelnen Einsparungen jeder dieser Innovationen seien zwar gering, durch die hohe Stückzahl in Serienproduktion ließen sich die Effekte jedoch skalieren. Einschränkend wurde angemerkt, dass wir aktuell “viel zu viele Einzelbeispiele haben, die immer im Einzelbeispiel verbleiben”, um eine tatsächliche Wende der Produktions- und Konsumweisen zu erreichen. Ein entscheidender Beitrag von offsee könnte es sein, das Wissen, das in diesen Einzelbeispielen steckt, gezielt in der Breite anzuwenden.
