SInBa (Soziale Innovation im Bauen und Wohnen) ist ein transdisziplinäres Modellprojekt, das klimagerechtes Bauen und Wohnen in Mannheim und Wuppertal mit sozialen Innovationsprozessen verbindet. Im Zentrum steht die Frage, wie Herausforderungen im Themenbereich Wohnen – etwa Flächenknappheit, Energieversorgung oder ungenutzter Gebäudebestand – durch neue Formen des Zusammenarbeitens, Organisierens und Handelns bearbeitet werden können. Das Projekt arbeitet mit einem zyklischen Reallaboransatz: Interventionen werden gemeinsam mit lokalen Akteur*innen entwickelt (Co-Design), erprobt (Co-Produktion) und kontinuierlich reflektiert (Co-Evaluation).

Die Wirkungspotenziale von SInBa wurden am 15. April 2026 mithilfe der Methode Map/ing Sustainability durch eine interdisziplinäre Gruppe analysiert. Beteiligt waren Designer*innen, Architekt*innen, Künstler*innen, Nachhaltigkeitswissenschaftler*innen und Kunstpädagog*innen. Franziska Stelzer, die Teil des Projektteams von SInBa ist, hat das Projekt präsentiert und an der Diskussion teilgenommen. Im Fokus standen zwei Interventionen: die partizipative Planung der Nahwärmeversorgung im Wuppertaler Quartier Ölberg sowie die gemeinwohlorientierte Umnutzung eines leerstehenden Bestandsgebäudes in Wuppertal zu Wohnraum. Weitere Interventionen – etwa zum flächensparenden und sozial gerechten Wohnraummanagement in Mannheim – wurden angerissen.
Im Rahmen der Diskussion wurde deutlich, dass SInBa Potenziale für ein gutes Leben insbesondere über das Wohnen als grundlegende soziale Praxis entfaltet. Eine gerechtere Verteilung von Wohnraum – etwa durch Instrumente wie Wohnraumtausch – könne dazu beitragen, soziale Ungleichheiten zu reduzieren, indem Wohnflächen stärker an tatsächliche Bedarfe angepasst werden (SDG 10). Zugleich wurden auch ökologische Effekte hervorgehoben, etwa durch geringeren Flächenverbrauch und sinkenden Energiebedarf.
Gemeinschaftliche Wohnformen – insbesondere die Umnutzung leerstehender Bestandsgebäude – wurden als förderlich für soziale Einbindung und Wohlbefinden beschrieben. Sie können soziale Beziehungen stärken und ein Gefühl von Zugehörigkeit erzeugen, was sich wiederum positiv auf das individuelle und kollektive Wohlbefinden auswirken könnte (SDG 3). Gleichzeitig erfordern solche Prozesse ein hohes Maß an Engagement: Die Aushandlung gemeinsamer Visionen und verbindlicher Strukturen könne mit Konflikten und emotionalen Belastungen verbunden sein.
Ein weiteres Potenzial liege im informellen Lernen. Durch die experimentelle und transdisziplinäre Arbeitsweise sowie die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur*innen entstünden Lernräume, in denen Wissen über nachhaltiges Bauen, gemeinschaftliches Wohnen und neue Organisationsformen praktisch erprobt und weitergegeben werden könne (SDG 4).Darüber hinaus fördern gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse demokratische Kompetenzen. Die gemeinsame Entwicklung von Visionen, kollektive Entscheidungsprozesse und die Zusammenarbeit mit kommunalen Akteur*innen schulen partizipative Kompetenzen und den Umgang mit Konflikten. In diesem Sinne könne SInBa demokratiefördernd wirken, indem es Räume für Mitbestimmung, Selbstorganisation und kooperative Lösungsfindung eröffne (SDG 16). Insgesamt wurde SInBa damit als ein Ansatz verstanden, der soziale, räumliche und ökologische Dimensionen von Lebensqualität miteinander verknüpft.
Ein wesentlicher Beitrag des Projekts wurde im Bereich der Versorgungssysteme verortet. SInBa adressiert grundlegende Fragen der Wohnraumversorgung, indem es neue Formen der Organisation, Nutzung und Umverteilung von Wohnraum erprobt (SDG 11). Die im Projekt entwickelten Interventionen – etwa kooperative Planung und Umsetzung von Nahwärmenetzen, Wohnraummanagement oder die gemeinwohlorientierte Umnutzung von Bestandsgebäuden – wurden als soziale Innovationen diskutiert, die bestehende Infrastrukturen nutzenstiftend und sozial gerecht weiterentwickeln könnten.
Besonders hervorgehoben wurde die Rolle von Partnerschaften: Die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltungen, Initiativen und Forschungseinrichtungen gilt als zentrale Voraussetzung für die Umsetzung solcher Ansätze (SDG 17). In diesem Zusammenhang wurde die Funktion der Kommune als „Verwaltungslotsin“ betont, die Gruppen durch komplexe bürokratische Prozesse begleiten kann. Diese Funktion wurde anhand konkreter Beispiele als entscheidend und ausbaufähig bewertet. Kooperativ entwickelte Nahwärmenetze wurden zudem als Ansatz hervorgehoben, wie lokal ausgehandelte und gemeinschaftlich organisierte Energieversorgung zu einer klimafreundlichen Infrastruktur beitragen kann (SDG 7). Dabei zeigt sich, dass die Verknüpfung sozialer, technischer und baulicher Innovationen neue Formen nachhaltiger Infrastruktur ermöglicht (SDG 9). Darüber hinaus wurde die Infragestellung bestehender Arbeits- und Organisationsformen – etwa klassischer Arbeitsteilung und institutionell getrennter Zuständigkeiten – als Impuls für stärker kooperative und gemeinschaftlich organisierte Formen des Wirtschaftens diskutiert (SDG 8).
Die im Projekt SInBa entwickelten Ansätze reduzieren Flächenverbrauch und Ressourceneinsatz. Der zentrale Hebel ist dabei eine sozial gerechtere, optimierte Bestandsnutzung und Vermeidung von Neubauten als entscheidender Faktor für Ressourcen- , Arten- und Klimaschutz.
Zentral ist auch das Zusammenspiel von sozialen und technischen Innovationen: In ihrer Kopplung entstehen sozio-technische Regime mit resilienteren, ressourcenleichten Produkt-Service-Systemen, die veränderte Nutzungspraktiken ermöglichen und stabilisieren. Ökologische Wirkungen ergeben sich damit aus der Wechselwirkung von sozialen Praktiken und materiellen Infrastrukturen (SDG 13).


